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Kritik: Don't Breathe 2 (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Fede Alvarez, der vor fünf Jahren "Don’t breathe" drehte, schrieb bei der Fortsetzung am Drehbuch mit. Auf dem Regiestuhl nahm diesmal aber der ebenfalls aus Uruguay stammende Rodo Sayagues Platz. Gedreht wurde im Sommer 2020 in Belgrad zur Hochphase der zweiten Corona-Welle, was immer wieder zu Unterbrechungen der Dreharbeiten führte. Im Oktober desselben Jahres konnten diese erfolgreich abgeschlossen werden.

Eigentlich war die Geschichte um den wehrhaften, vor allem im Nahkampf kaum zu schlagenden Norman Nordstrom mit dem Ende von "Don’t breath" eigentlich auserzählt. Dass relativ zeitnah nach dem Erfolg des Films schon die Fortsetzung angekündigt wurde, überraschte daher viele. Doch was die Drehbuchautoren aus der Geschichte gemacht haben und wie sie diese hier weiterdrehen, ist eine Art logische Schlussfolgerung und Konsequenz. Und erweist sich als durchaus sehenswert.

Denn kam Teil Eins noch als dringlicher Mix aus Suspense-Horror und Home-Invasion-Thriller daher, welcher seine Spannung vor allem aus jener kammerspielartigen Atmosphäre (der Schauplatz war fast ausschließlich Nordstroms Haus) bezog, muss der blinde Rächer im Sequel die Sicherheit seiner Hütte hinter sich lassen. Und sich in die "Welt da draußen" begeben. Und diese ist ihm völlig fremd, hat er in den letzten Jahren doch ein abgeschottetes Leben ohne jegliche sozialen Kontakte geführt.

Und wie sich Nordstrom, ganz auf seine Sinne verlassend, auf die Suche nach den Entführern seiner geliebten "Ersatztochter" begibt, ist durchaus packend und mitreißend mitanzusehen. Nicht zuletzt aufgrund der deftigen Gewaltspitzen und körperbetonten Kampfszenen, in denen die unterschiedlichsten Waffen, (Wurf-)Geschosse und Gegenstände zum Einsatz kommen. Dass es in "Don’t breath 2" durchaus blutig zugehen wird, davon kündet bereits der raffiniert und wendungsreich inszenierte Einbruch der Kidnapper ins Refugium von Nordstrom zu Beginn.

Im weiteren Verlauf der Handlung geht es leider nicht immer so wendungsreich zu, vielmehr lassen sich vor allem im finalen Drittel einige Szenen und Ereignisse schon lange im Voraus erahnen. Schade ist weiterhin, dass die Bösewichte als blasse, jederzeit austauschbare Antagonisten erscheinen, die sich vorhersehbar verhalten. Der Schwerpunkt liegt wie im ersten Film ganz auf der ambivalenten, vielschichtigen Figur des rachedurstigen blinden Mannes. Stephen Lang spielt diesen Charakter wie gewohnt grandios und mit einer Mischung aus großer Verletzlichkeit, roher Gewalt und unerschütterlichem Durchhaltewillen.

Fazit: Blutig-heftiger Horror-Thriller mit intensiven Spannungs-Momenten und charismatischem Hauptdarsteller, allerdings auch wenig unheimlichen und bieder gezeichneten Bösewichten.




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