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Kritik: The Little Things (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit Washington, Malek und Jared Leto als Hauptverdächtigen konnte Regisseur und Drehbuchautor John Lee Hancock gleich drei hochkarätige Schauspieler für seinen Thriller verpflichten. Für Oscar-Preisträger Rami Malek ist es der erste Leinwandauftritt seit seinem Part als Freddie Mercury in "Bohemian Rhapsody". "The Little Things" entstand Ende 2019 an Originalschauplätzen unter anderem in Los Angeles.

Das Skript von "The Little Things" schrieb Hancock bereits in den mittleren 90er-Jahren, als düstere Serienkiller-Thriller Hochkonjunktur hatten. Damals entstanden Genre-Klassiker wie "Nightwatch" und "Copykill" und von einem der bekanntesten Genre-Vertreter ließ sich Hancock damals maßgeblich beeinflussen: David Finchers "Sieben". Ebenso wie in "Sieben" sieht man in "The Little Things" zwei ganz und gar unterschiedliche Cops, sowohl hinsichtlich des Alters, ihrer Ermittlungsmethoden als auch charakterlich.

Aus dieser Divergenz der beiden Hauptfiguren entstehen dringliche, starke Momente und eine ganz eigene Spannung, zumal Baxter – trotz aller Meinungsverschiedenheiten – zu seinem erfahrenen Kollegen aufsieht und ihn in gewisser Weise als Vorbild betrachtet. Auch wenn er dies so nie zugeben würde. Malek und Washington spielen ihre Rollen solide und auch Jared Leto als langhaarig-ungepflegter, seelenlos wirkender Hauptverdächtiger spielt kraftvoll auf – und mit einer durchaus amüsanten Neigung zu affektiertem Overacting, was seiner Figur aber durchaus gut bekommt.

Auch wenn die Elemente und inhaltlichen Zutaten allesamt nicht neu sind (ungelöste frühere Fälle, Traumata der Vergangenheit, Provinzsheriff trifft auf Großstadtermittler) – ist es diese charmante, antiquierte 90er-Jahre-Thriller Nostalgie, welche der Film versprüht und ihn wohltuend vom heute sonst üblichen, CGI-geschwängerten Bombast-Kino abhebt.

Dennoch bleibt auch "The Little Things" nicht befreit von Schwächen. So sind etwa die Rückschläge und traumatischen Ereignisse, die Deke in seiner Vergangenheit verkraften musste, etwas übertrieben und schlicht zu viel des Guten: von einer Scheidung und einem nie aufgeklärten, brutalen Serienkiller-Fall über eine Suspendierung sowie ausbleibende Beförderungen bis hin zum Herzinfarkt. Einige schwere operative Eingriffe kommen auch noch dazu. Und die sich im letzten Akt bietenden Twists und Wendungen werden jeden erfahrenen Thriller-Fan unterfordern: Zu vieles zeichnet sich bereits verfrüht ab und das Finale sorgt weder für den gewünschten "Aha"-Moment á la "Sieben" noch bleibt es nachhaltig im Gedächtnis.

Fazit: Handwerklich sauber inszenierter, angenehm altmodischer Thriller klassischer (90er-Jahre-) Machart, dessen Auflösung und Twists jedoch zu erwartbar und wenig überraschend daherkommen.




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