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Cruella
Cruella
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Cruella (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Crime-Comedy-Mix "Cruella" ist eine Origin Story der Schurkin Cruella de Vil aus Dodie Smiths Roman "Hundertundein Dalmatiner" (1956), die insbesondere durch den Disney-Animationsfilm "101 Dalmatiner" (1961) und dessen gleichnamige Realverfilmung aus dem Jahr 1996 in der Verkörperung von Glenn Close zur popkulturellen Ikone avancierte. Der australische Regisseur Craig Gillespie ("Lars und die Frauen", "Tonya") zeigt, wie aus der jungen, gewitzten Kleinganovin Estella die grimmige Titelfigur wird. Mit einer ähnlichen Prämisse wurde bereits im Fantasy-Werk "Maleficent – Die dunkle Fee" (2014) nach dem Ursprung des Bösen in der Hintergrundgeschichte einer bekannten Disney-Antagonistin geforscht.

Leider begeht das Skript von "Cruella" denselben Fehler, den schon die Fortsetzung "Maleficent 2 – Mächte der Finsternis" (2019) beging: Um die zentrale Figur (halbwegs) sympathisch zu machen, muss es eben eine andere, noch niederträchtigere Schurkin geben. Diese wird von Emma Thompson zwar überaus spielfreudig interpretiert, ist letztlich aber ziemlich eindimensional gestaltet. Das Konzept, hinter die Fassade zu blicken und Klischees aufzubrechen, wird somit nicht wirklich konsequent durchgezogen. Dass drei schlecht animierte Dalmatiner als reißende Bestien in Szene gesetzt werden, ist ebenfalls reichlich albern. Auch die Protagonistin selbst vermag nur bedingt zu überzeugen. Der Film beginnt bei der Geburt, fängt kurz Estellas Kindheit und Schulzeit Mitte der 1960er Jahre ein und deutet bereits an, dass eine düstere, rebellische Seite – sprich: die Person "Cruella" – in Estella schlummert. Emma Stone liefert als erwachsene Version eine solide Leistung inklusive eines Shakespeare-artigen Monologs. So ganz will die Zeichnung dieser schizophren anmutenden Rolle allerdings nicht funktionieren. Oft ist von Genialität die Rede – die gezeigte Mode fällt indes eher enttäuschend und banal aus.

Einige Nebenparts sind wiederum recht einnehmend – etwa Joel Fry ("Game of Thrones"), Paul Walter Hauser ("Der Fall Richard Jewell") und John McCrea als Gauner. Auch die Song-Auswahl ist unter anderem mit "Time Of The Season" von The Zombies, "These Boots Are Made For Walkin'" von Nancy Sinatra oder "Feeling Good" von Nina Simone ein echtes Vergnügen. Zum großen Hit fehlt es dem Film aber einfach an Originalität.

Fazit: Eine hingebungsvoll gespielte Krimikomödie, deren Figurenzeichnung wenig einfallsreich daherkommt. Trotz ambitioniertem Ansatz bleibt nur Durchschnitt.




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