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Kritik: Ich bin dann mal weg (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Buch "Ich bin dann mal weg", in dem Hape Kerkeling 2006 von seiner Wanderung auf dem Jakobsweg erzählte, verkaufte sich mehr als fünf Millionen mal. Die Zahl der Deutschen, die sich auf diesen Pilgerweg begaben, stieg nach der Veröffentlichung um 71 Prozent an. Der Selbsterfahrungsbericht entsprach offenbar einer weit verbreiteten Sehnsucht nach dem Naturerlebnis durch Wandern, nach Entschleunigung und meditativ-spiritueller Einkehr. Aber sicherlich spielte für den Erfolg auch eine wichtige Rolle, dass der professionelle Witzemacher so wenig dem Klischee des religiös motivierten, tiefgründigen Pilgers entsprach. Unter der Regie von Julia von Heinz ist aus dem Stoff nun ein amüsanter und überwiegend kurzweiliger Spielfilm geworden.

Hape Kerkeling ist neugierig, aber auch skeptisch: Wird er auf dieser Pilgerreise zu Gott finden oder wenigstens zu sich selbst? Mit seinem typischen Humor inspiziert er die eigene Befindlichkeit ebenso treffsicher und kritisch, wie die vielen äußeren Herausforderungen. Nach einer Tageswanderung über die Berge nochmal ein paar Stockwerke bis zum nächtlichen Schlafplatz erklimmen? Lästige Zeitgenossen, die ihn erkennen, gibt es auch hier in Nordspanien, vor allem aber jeden Tag wieder diese endlosen Stunden einsamer Wanderung. Einblendungen folgen seiner Erinnerung an die Kindheit bei der Großmutter (Katharina Thalbach). Von den Strapazen der Wanderung physisch und emotional an die Grenzen gebracht, bricht Hape in der weiten Landschaft in Tränen aus: Nein, diese Selbstfindung ist nicht immer spaßig. Gerade der ständige Wechsel zwischen Ironie und Besinnlichkeit lässt die Geschichte aber sehr authentisch wirken.

Devid Striesow spielt Hape Kerkeling hervorragend, wie ein Bruder in der Mimik und im Geiste. Auch die beiden unterschiedlichen Frauencharaktere an seiner Seite, Stella und Lena, wirken sympathisch, vor allem aber kontrastiert dieses Trio spannend mit der häufigen Erfahrung des Alleinseins. Manchmal nimmt die Kamera Hapes Tagebuch ins Visier, und auch die Erzählerstimme aus dem Off erinnert daran, dass diese Pilgerreise literarisch verarbeitet wurde. Die Aufnahmen entlang des Jakobswegs zeigen eine abwechslungsreiche, oft imposante Landschaft. Insgesamt wirkt der Tonfall etwas religiöser als im Buch. Ansonsten aber ist der Spielfilm noch eine Spur lockerer und unterhaltsamer als das Buch, dessen Essenz er so gut wiedergibt. Die Inszenierung spiegelt mit ihrem flotten Wechsel der Impressionen das Flüchtige, den Zustand des Unterwegsseins und hält die Schmunzelkomödie gekonnt in Balance zwischen Heiterkeit, Spannung und Realitätsnähe.

Fazit: Der Regisseurin Julia von Heinz ist eine amüsante, kurzweilige und mit ihrem unaufgeregten Ton sehr sympathische Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Hape Kerkeling gelungen. Die attraktive Balance zwischen Heiterkeit und Ernst, sowie ein hervorragender Devid Striesow in der Hauptrolle verleihen dem Film Glaubwürdigkeit, Charme und Aussagekraft.





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