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Schwarze Katze, Weißer Kater
Schwarze Katze, Weißer Kater
© Kinowelt

Kritik: Schwarze Katze, Weißer Kater (1998)


Mit "Underground", seinem ausufernden Film über den Krieg im allgemeinen und den Balkankonflikt im besonderen, hatte Emir Kusturica vor drei Jahren alles Pech, das man als ambitionierter Filmemacher nur haben kann. Zum einen sahen übelmeinende Kritiker in dem vielschichtigen Werk nationalistische Untertöne von politisch inkorrekter (nämlich serbischer) Seite, zum anderen war das Publikum dank der permanenten Medienpräsenz des Krieges von dem Konflikt Übersättigt. Nach dem folgenden Totalflop von "Underground" zog sich der vielleicht originellste europäische Filmregisseur in die Schmollecke zurück. Aus der hat er dann aber doch recht schnell herausgefunden und legt nun mit "Schwarze Katze, weißer Kater" einen Film vor, aus dem Schwermut und Tragik konsequent verbannt sind.

In groben Zügen erinnert die schrille Komödie an "Time of the Gypsis", geht es doch um Zigeunerclans, die sich an den Donauufern irgendwo auf dem Balkon mafiös verbündelt durch den Tag gaunern, am liebsten mit Schwarzhandel. So gedenkt die Hauptperson, der Zigeuner Matko, durch die Umleitung eines ganzen Güterzugs, auf einen Schlag reich zu werden. Den Coup unterstützen soll der Zigeunerpate Pitic, und für das nötige Startkapital wird der Russengangster Dadan angegangen. Es passiert das, was bei solchen Unternehmungen schon mal passieren kann, die Sache geht schief. Dadan, an dem Fiasko alles andere als unbeteiligt, verlangt von Matko nun Schadenersatz und zwar in Form seines geschlechtsreifen Sohnes Zare, den er mit seiner etwas kleingeratenen Schwester Ladybird verheiraten will. Wie's nun aber mal so ist, der Sohnemann liebt eine andere, nämlich die blonde Kellnerin Ida. Trotzdem wird die Hochzeit angesetzt und mit einigem Pomp durchgezogen. Am Ende freilich flieht die Braut und trifft auf den großwüchsigen Veliki, in den sie sich verliebt. Etwas umwölkt wird der allgemeine Liebesreigen unter Ganovennachwuchs durch das Ableben der Großväter. Aber schließlich sind Probleme dazu da gelöst zu werden, und so ergeben sich am Ende durchaus Möglichkeiten, daß Doppelhochzeit und Doppelbeerdigung sich terminlich und stimmungsmäßig nicht im Wege stehen.

Mit "Schwarze Katze, weißer Kater" entfesselt Kusturica einen hemmungslosen Bildersturm voller aberwitziger Einfälle und grotesker Running Gags. Dabei will die weitgehend sinnfreie Tour de Force nicht mehr und nicht weniger als fröhliche Anarchie verbreiten. Daß die derben Späße dabei auch mal die Grenzen des guten Geschmacks austarieren, ist bei Kusturica durchaus nichts Neues.




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