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Johnny Depp in 'Public Enemies'
Johnny Depp in 'Public Enemies'
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Public Enemies (2009)

US-Kriminalfilm von Michael Mann mit Christian Bale und Johnny Depp.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.8 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 73 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Er raubte in den 30er Jahren genau jene Banken aus, die das amerikanische Volk in die Armut getrieben hatten; er entwischte genau jenen Behörden, die das Leben der Durchschnittsmenschen schwer machten; er löste den ersten landesweiten Feldzug gegen das Verbrechen aus, er führte eine Bande bewaffneter Räuber in einer ganzen Flut beeindruckender Coups und unglaublicher Ausbrüche an, und sein dreister Charme und sein Charisma konnten nicht nur eine ganz besondere Frau, sondern ein ganzes Land für sich gewinnen: der legendäre Gangster der Depressions-Ära, John Dillinger (Johnny Depp).

Niemand konnte Dillinger und seine Gang stoppen. Kein Gefängnis konnte ihn halten. Sein Charme und seine wagemutigen Ausbrüche machten ihn bei fast jedermann beliebt - angefangen bei seiner Geliebten Billie Frechette (Marion Cotillard) bis hin zu den Amerikanern, die sich nach einer Symbolfigur sehnten, die Ablenkung von der Mühsal des Alltags bot. Diese Symbolfigur fanden sie in eben jenem Mann, der den Banken das Geld raubte, von dem die Massen meinten, genau diese Banken hätten sie ihnen fälschlicherweise genommen.

Doch während die Abenteuer der Dillinger-Gang – darunter später auch mit dem Soziopathen Baby Face Nelson (Stephen Graham) und dem Dieb und Entführer Alvin Karpis (Giovanni Ribisi) – viele begeisterten, hatte ein gewisser J. Edgar Hoover (Billy Crudup) vor, die Gefangennahme der Outlaws dazu zu nutzen, sein Bureau of Investigation zur polizeilichen Bundesbehörde befördern zu können, die später das FBI werden sollte. Hoover machte aus Dillinger den ersten US-amerikanischen Staatsfeind Nr. 1 und ließ Melvin Purvis (Christian Bale) , den gutaussehenden "Clark Gable des FBI", seine Verfolgung aufnehmen.

Doch Dillinger und seine Gang überlisteten die Agenten und entkamen Purvis’ Männern in wilden Verfolgungsjagden und Schießereien. Erst nachdem ein Team von Revolverhelden aus Dallas miteinbezogen wurde und es gelang, Dillingers Organisation durch Verräter – wie die berüchtigte "Lady in Red" (Branka Katic) und der Chicagoer Gangster-Boss Frank Nitti (Bill Camp) – zu unterwandern, konnten Purvis und das FBI die Schlinge enger ziehen…

Es zog Dillinger zurück in die Stadt, in der sowohl seine Beziehung zu Frechette als auch seine Bankräuber-Karriere begonnen hatte – und dort endet ein für alle Mal Purvis’ Jagd. Als alles gesagt und getan war, erfuhr das ganze Land, dass der Tod einer seiner Helden zur Geburtsstunde eines Mythos wurde.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5


Völlig irreführend, der Titel. "Public Enemy" wäre richtiger gewesen – denn von John Dillingers Gang bekommt man nur einen oberflächlichen Eindruck, im Mittelpunkt steht eindeutig er, in Gestalt von Johnny Depp, als Enemy Number One. Ähnlich sieht es mit der Zeit aus: Der Film spielt 1933, während der Großen Depression. Von der spürt man allerdings gar nichts, trotz detailgetreuer Ausstattung. Dillinger und Genossen sind stets perfekt und makellos gekleidet – wobei er selbst an einer Stelle zugibt, für gute Kleidung, Baseball, Filme (und schließlich Marion Cotillards Charakter Billie) zu leben.

Michael Manns jüngster Actionfilm lebt von einem grimmigen Realismus, der zum Teil an Dokumentarfilmaufnahmen erinnert. Dies bewirken die sorgfältig und makellos durchkomponierte Kamera, gepaart mit extremen Close-ups und – endlich einmal – sparsamem Musikeinsatz in Actionszenen, die allein durch Action und Schnitte für Spannung sorgen, was heutzutage ansonsten kaum mehr der Fall zu sein scheint.

Was eher vom Geschehen ablenkt, ist die Tatsache, dass Depp mit Christian Bales Synchronstimme – David Nathan – spricht, obwohl Bale ebenfalls auftritt. Da dies mit einer fast einschläfernden Leblosigkeit geschieht, sei hiermit allen, die sie noch nicht kennen, ausdrücklich Depps weitaus ausdrucksvollere Originalstimme empfohlen.


Apropos Ausdruck: Nachdem Depp in den letzten Jahren und Rollen eigentlich immer aussah, als würde er permanent Fasching feiern, sieht man hier mal wieder sein Gesicht. Das trotz über zehn Jahren Altersunterschied genau so jung – häufig jünger – als das von Christian Bale alias FBI-Agent Melvin Purvis aussieht. Dessen Rolle erinnert wiederum an "The Dark Knight" – mit wenig Mimik und Skrupeln geht er in Chicago auf Verbrecherjagd. Womit wir beim Plot wären: John Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, verliebt sich und wird von J. Edgar Hoover mittels Purvis gejagt. Die Handlung konzentriert sich chronologisch in etwa auf das letzte Jahr in Dillingers Leben. Einem äußerst wackeligen Anfang – im Sinne des Wortes, Mann liebt aufgesetzte Authentizität – folgt ein ziemlich spannender Mittelteil und nach ein paar Längen gegen Ende dann der konsequente Schluss. Das Ganze passiert bis ins kleinste Detail optisch perfektioniert, wenn auch emotional überwiegend unterkühlt.


Über Dillinger erfährt man im Prinzip nichts – außer seinen bereits genannten Vorlieben und einem gewissen Sinn für Loyalität. Könnte man sich für seinen Charakter überhaupt erwärmen, wenn nicht Depp ihn verkörpern würde? Meine Antwort: Dank der Filmgeschichte überhaupt nicht. Mann verlässt sich einzig und allein auf Depps Charme und Cotillards Niedlichkeit. Die Liebesgeschichte der beiden bricht denn auch sehr gehetzt in die Handlung herein. Was chronologisch okay ist – durch seinen Gefängnisaufenthalt, sowie sein Leben im Untergrund hatten sie schließlich kaum die Zeit, zusammen zu ziehen u. eine gemeinsame Haftpflichtversicherung abzuschließen… aber ein bisschen romantischer und plausibler hätte der Ausbruch der großen Liebe dann doch sein können. Stattdessen lässt Mann dann viel zu viele Nebenfiguren groß aufmarschieren.

Fazit: "Public Enemies" ist ein größtenteils spannender, wenn auch emotional kühler historischer Actionfilm. Technische und optische Brillianz, sowie solide Darstellungen machen die überraschungsarme Erzählweise wett.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: USA
Jahr: 2009
Genre: Drama, Krimi, Historie
Länge: 140 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 06.08.2009
Regie: Michael Mann
Darsteller: Stephen Graham, Stephen Lang, Lili Taylor
Verleih: Universal Pictures International

ZusatzinformationAlles anzeigen

John Dillinger – Der Staatsfeind Nr.1 kehrt zurück Von allen bekannten Namen der Verbrechergeschichte hat dieser einen ganz besonderen Zusatz: John Dillinger ist der erste Mensch, den das FBI [...mehr] offiziell als Staatsfeind Nr.1 der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnete. Universal Pictures bringt den Ganoven nun zurück an den Ort, an dem er seine letzen Momente erlebt hatte – ins Kino. In PUBLIC ENEMIES, der am: 6. August in den deutschen Kinos anläuft, zeigt Regisseur Michael Mann das atemberaubende Katz- und Maus-Spiel zwischen John Dillinger (Johnny Depp) und FBI Agent Melvin Purvis (Christian Bale). Mit seinen legendären Vergehen, die Dillinger in einer Zeitspanne von nur 13 Monaten zwischen 1933 und 1934 im mittleren Westen der USA beging, zog er die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich. Jugend Die Weichen für John Dillingers kriminelle Karriere wurden bereits in seiner Kindheit und Jugend gestellt: Am 22. Juni 1903 als Sohn von John Dillinger sr. und dessen Frau Mollie Lancaster geboren, erlebte der kleine John eine strenge Kindheit. Bereits als Jugendlicher war John oft in Prügeleien verwickelt. Seine Mutter starb früh, und der Vater heiratete wieder. Neben seiner leiblichen Schwester brachte die neue Ehe John einen Stiefbruder und eine Stiefschwester. Um den inzwischen 17jährigen Sohn vor weiteren Straftaten zu behüten, zog die Familie aufs Land nach Mooresville. John widmete sich dort vor allem dem Jagen im Wald. Erste Straftaten Verbittert über die nicht bewilligte Hochzeit mit seiner großen Liebe beging der junge Dillinger schließlich seine erste Straftat: Er klaute ein Auto und fuhr damit nach Indianapolis. Um der folgenden Strafe zu entgehen, ging er zur Navy, desertierte aber schon nach wenigen Monaten und wurde schließlich entlassen. Zurück in Mooresville heiratete John 1924 Beryl Hovious. Die beiden lebten zunächst in friedlicher Zweisamkeit, bis John Ed Singleton kennenlernte. Dieser veranlasste ihn dazu, den Kaufmann Frank Morgan zu berauben. Obwohl der Coup misslang, wurde Dillinger zu 10-20 Jahren Haft verurteilt, wovon er neun Jahre im Morgan Country Jail verbrachte. An diesem Ort freundete er sich mit Harry Pierpont und Homer Van Meter an. Mit der Freundschaft zu seinen Mitinsassen sollte seine ganz große Gangsterkarriere erst beginnen. Die Bande Im Gefängnis noch tat sich "Snake Eyes" John, wie John Dillinger sich nun rufen ließ mit den Häftlingen "Baby Face" Nelson und "Pretty Boy" Floyd zusammen. Nach seiner Entlassung 1933 raubte die Bande zahlreiche Banken aus. Es folgten wieder und wieder Inhaftierungen, Fluchtaktionen und Morde an Wächtern und Polizisten. Irgendwann war Dillinger mit seiner Bande samt Fingerabdrücken identifiziert und auf der Fahndungsliste des FBI. Doch damit nicht genug: Es folgten weitere Banküberfälle unter anderem auf die National Bank of Chicago. Der Verhaftung konnten sie zunächst durch die Flucht nach Florida entgehen, wo sie dann aber geschnappt wurden. Dillinger befreite sich mal wieder, diesmal auf recht kuriose Weise mit einer aus Holz und Schuhcreme gebastelten Pistolenattrappe. Er schnappte sich das Auto des Sheriffs, fuhr damit zurück nach Chicago und überfiel zusammen mit seiner Bande weitere Banken. Im Visier des FBI Kaum ein Jahr nach der ersten Entlassung aus dem Gefängnis und einer beispiellosen Serie von Straftaten sollte diese Karriere nun ihr endgültiges Ende nehmen: Eine Bekannte von Dillingers Freundin Poly Hamilton informierte das FBI über einen geplanten Kinobesuch mit dem Paar. Am geplanten Abend trug sie ein rotes Kleid, was zur Identifikation dienen sollte und ihr den Spitznamen "Lady in Red" einbrachte. Als Dillinger am Abend des 22. Juli 1934 das Biograph-Kino in Chicago mit den beiden Damen verließ, wurde er von drei Kugeln getroffen und starb. Mit diesen drei Schüssen ist eines der schillerndsten Kapitel amerikanischer Gangstergeschichte zu Ende gegangen.

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