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Johnny Depp in 'Public Enemies'
Johnny Depp in 'Public Enemies'
© 2009 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED.

Kritik: Public Enemies (2009)


Völlig irreführend, der Titel. "Public Enemy" wäre richtiger gewesen – denn von John Dillingers Gang bekommt man nur einen oberflächlichen Eindruck, im Mittelpunkt steht eindeutig er, in Gestalt von Johnny Depp, als Enemy Number One. Ähnlich sieht es mit der Zeit aus: Der Film spielt 1933, während der Großen Depression. Von der spürt man allerdings gar nichts, trotz detailgetreuer Ausstattung. Dillinger und Genossen sind stets perfekt und makellos gekleidet – wobei er selbst an einer Stelle zugibt, für gute Kleidung, Baseball, Filme (und schließlich Marion Cotillards Charakter Billie) zu leben.
Michael Manns jüngster Actionfilm lebt von einem grimmigen Realismus, der zum Teil an Dokumentarfilmaufnahmen erinnert. Dies bewirken die sorgfältig und makellos durchkomponierte Kamera, gepaart mit extremen Close-ups und – endlich einmal – sparsamem Musikeinsatz in Actionszenen, die allein durch Action und Schnitte für Spannung sorgen, was heutzutage ansonsten kaum mehr der Fall zu sein scheint.
Was eher vom Geschehen ablenkt, ist die Tatsache, dass Depp mit Christian Bales Synchronstimme – David Nathan – spricht, obwohl Bale ebenfalls auftritt. Da dies mit einer fast einschläfernden Leblosigkeit geschieht, sei hiermit allen, die sie noch nicht kennen, ausdrücklich Depps weitaus ausdrucksvollere Originalstimme empfohlen. Apropos Ausdruck: Nachdem Depp in den letzten Jahren und Rollen eigentlich immer aussah, als würde er permanent Fasching feiern, sieht man hier mal wieder sein Gesicht. Das trotz über zehn Jahren Altersunterschied genau so jung – häufig jünger – als das von Christian Bale alias FBI-Agent Melvin Purvis aussieht. Dessen Rolle erinnert wiederum an "The Dark Knight" – mit wenig Mimik und Skrupeln geht er in Chicago auf Verbrecherjagd. Womit wir beim Plot wären: John Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, verliebt sich und wird von J. Edgar Hoover mittels Purvis gejagt. Die Handlung konzentriert sich chronologisch in etwa auf das letzte Jahr in Dillingers Leben. Einem äußerst wackeligen Anfang – im Sinne des Wortes, Mann liebt aufgesetzte Authentizität – folgt ein ziemlich spannender Mittelteil und nach ein paar Längen gegen Ende dann der konsequente Schluss. Das Ganze passiert bis ins kleinste Detail optisch perfektioniert, wenn auch emotional überwiegend unterkühlt. Über Dillinger erfährt man im Prinzip nichts – außer seinen bereits genannten Vorlieben und einem gewissen Sinn für Loyalität. Könnte man sich für seinen Charakter überhaupt erwärmen, wenn nicht Depp ihn verkörpern würde? Meine Antwort: Dank der Filmgeschichte überhaupt nicht. Mann verlässt sich einzig und allein auf Depps Charme und Cotillards Niedlichkeit. Die Liebesgeschichte der beiden bricht denn auch sehr gehetzt in die Handlung herein. Was chronologisch okay ist – durch seinen Gefängnisaufenthalt, sowie sein Leben im Untergrund hatten sie schließlich kaum die Zeit, zusammen zu ziehen u. eine gemeinsame Haftpflichtversicherung abzuschließen… aber ein bisschen romantischer und plausibler hätte der Ausbruch der großen Liebe dann doch sein können. Stattdessen lässt Mann dann viel zu viele Nebenfiguren groß aufmarschieren.
Fazit: "Public Enemies" ist ein größtenteils spannender, wenn auch emotional kühler historischer Actionfilm. Technische und optische Brillianz, sowie solide Darstellungen machen die überraschungsarme Erzählweise wett.





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