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Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der...horn'
Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn'
© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn' (2010)


Dass Comic-Adaptionen hoch im Kurs stehen, ist nichts Neues. In der Regel sind es natürlich die mit Heroen in bunten Kostümen und übermenschlichen Fähigkeiten. Das populäre Comic des belgischen Zeichners Hergé (1907-1983), das hierzulande unter dem Namen "Tim und Struppi" (im Original: "Les aventures de Tintin") bekannt wurde, geht diesbezüglich andere Wege: Sein Titelheld ist ein junger investigativer Journalist, der, begleitet von seinem treuen vierbeinigen Freund Struppi und dem stets leicht-, bis mitteltrunkenen Kapitän Haddock, immer wieder in hanebüchene Abenteuer rund um die Welt verstrickt wird.

Der weltweite Erfolg des Comics, das sich charakteristisch dadurch auszeichnet, dass Orte, Fahrzeuge, Gebäude sowie die Details der Umgebung und des Interieurs sehr realistisch wiedergegeben werden und sich in den Figuren zeitgenössische Moden, Trends sowie der jeweilig vorherrschende Gesellschaftsgeist widerspiegelt, bescherte ihm bereits eine Reihe von Trickfilmadaptionen, TV-Serien und sogar zwei Realfilme. Für die aktuelle Kinofassung als CGI-Animationsfilm haben sich Regisseur Steven Spielberg und Produzent Peter Jackson titelgebend Band 13, der insgesamt 24-teiligen Reihe, herausgegriffen. Um das Ganze allerdings aufzupeppen, wurden noch gleich zwei weitere Alben mitverwurstet.

"Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn" nimmt mit auf eine abenteuerliche Quest, in deren Mittelpunkt ein mysteriöses versunkenes Segelschiff steht. Dabei geht es überaus turbulent und abwechslungsreich zu, wobei der Holter-die-polter-Slapstick zuweilen in Nonstop-Nonsens ausufert. Das ist insbesondere schade, da der Beginn sehr stimmig und geheimnisvoll anmutet und im besten Sinne an eine klassische Detektivgeschichte erinnert. Allzu schnell verpufft diese dichte Atmosphäre aber zugunsten juchzigen Klamauks und mitunter stumpf aneinandergereihten Actioneinlagen.

Der Look will dafür überaus gefallen: Exquisit wird das retromäßige Flair der 1930er-40er Jahre umgesetzt und auch ansonsten kann der Film visuell voll Punkten. Tiefen- und Detailschärfe sind einmalig und die CGI-Animation State-of-the-Art. Allerdings ist anzunehmen, dass dieser Augenschmaus auch ohne 3D gut funktioniert hätte. Ein Stückweit negativ ins Gewicht möchte dennoch die mangelnde mimische Ausdrucksfähigkeit der Figuren fallen. Trotz Performance-Capture, in dem Jamie Bell und Andy Serkis Pate für Tim und Kapitän Haddock standen, wirkt das Ganze reichlich leblos. Hier gelang offensichtlich nicht ganz der Spagat zwischen der Realisierung einer Mimik, die in der Lage ist die innere Befindlichkeit der Figuren wiedergegeben und der möglichst großen Nähe zur Vorlage; wobei sich die Gesichter in den Hergé-Comics eben weitestgehend durch Purismus auszeichnen.

Zu Irritationen kann darüber hinaus die Frage nach der eigentlichen Zielgruppe führen. Augenscheinlich kommt dafür die Fangemeinde von "Tim und Struppi" in Frage. Die könnte sich aber angesichts einer mit der heißen Nadel zusammengestrickten Story ärgern, in der gleich drei Geschichten ausgeschlachtet werden, Essentielles unterm Tisch landet und frei Erfundenes dafür wild hineingedichtet wird. So scheint der Streifen auch vielmehr für die lieben Kleinen gemacht zu sein, denn die können sich noch so richtig über turbulente Verfolgungsjagden und deftigen Slapstick freuen, ohne sich an solchen Details zu stoßen. Angesichts einer ordentlichen Portion Gewalt, Säbelrasseln, Schießereien und manch einem der das Zeitliche segnet, sollten die Kinder aber besser nicht allzu jung sein.

Fazit: Kurzweilige Unterhaltung ist in "Tim und Struppi" garantiert. Auf die Tiefe der Geschichte ist allerdings wenig Verlass, und allzu schnell schlittert die Show hin zu einem eindimensionalen Gepolter. Dafür entschädigt der gelungene Retrolook und der visuelle Charakter des Films ein Stückweit.




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