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Der Staatsfeind Nr. 1 mit Will Smith und Gene Hackman
Der Staatsfeind Nr. 1 mit Will Smith und Gene Hackman

Kritik: Der Staatsfeind Nr.1 (1998)


Big Brother is watching you! Wenn sich Will Smith alias Robert Dean durch die Straßen seiner Stadt bewegt, sind nicht nur seine Schuhe, Jacke und Hose, das Handy, sein Kugelschreiber und seine Uhr verwanzt – der nichtsahnende Anwalt wird auch von sämtlichen Überwachungskameras der Stadt beäugt und, wenn alle Stricke reißen, von einem eigens zu seiner Beobachtung herangezogenen Spionagesatelliten ins Visier genommen.

In "Der Staatsfeind Nr. 1" nimmt die paranoide Angst vor der allgegenwärtigen Überwachung ähnlich bedrohliche Formen wie in Andrew Niccols "Gattaca" die Furcht vor den eigenen Genen. Unter seiner geschäftigen Oberfläche erzählt der von "Top Gun"-Regisseur Tony Scott ohne Durchhänger inszenierte Action-Thriller vom Verschwinden der Wirklichkeit: Hinter temporeichen Verfolgungsjagden und pyrotechnischen Spielereien lauert die Vision einer von Monitoren beherrschten Welt, in der man sich, anstatt den eigenen Augen und Ohren zu trauen, lieber auf die allerorts lauernden Kameras und Aufzeichnungsgeräte verläßt. Die Realität verlagert sich auf den Bildschirm, und nicht einmal die braven Helden des Films können der medialen Versuchung widerstehen: Wenn Anwalt Dean vom Büro nach Hause kommt, starren seine Kinder auf ein Videospiel und seine Frau in den Fernseher.

Da ist es nur konsequent, daß der vom Geheimdienst gehetzte Mitwisser – Gene Hackman sei Dank – seine Peiniger schließlich mit deren eigenen Waffen schlägt. Der charismatische Charaktermime Hackman, der bereits in Coppolas 1974 entstandenem Meisterwerk "Der Dialog" einen Abhörexperten verkörperte, schlüpft dabei in die Rolle eines zwar technologisch, jedoch keineswegs moralisch überlegenen deus ex machina, mit dessen Hilfe sich – schließlich handelt es sich um eine von Disney gesponserte Bruckheimer-Produktion ("Con Air", "Armageddon") – alles zum Guten wendet.

Tony Scotts paranoides Überwachungs-Epos ist ein technisch verspielter Thriller mit kritischer, leider allzu breitgetretener Botschaft und einem ausnahmsweise ernsthaften, durchaus überzeugenden Will Smith. Kein besonders intelligenter Film – aber immerhin einer, der vorgibt, klug zu sein.





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