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Deutsche Filmstarts: Oliver Masucci ist am Zug

Mads Mikkelsen ist ein "Held der Wahrscheinlichkeit"

Ein kleines, aber feines Angebot für die Programmkinos bietet die neue hiesige Kinowoche. Philipp Stölzl hat die "Schachnovelle" von Stefan Zweig neu und sehr frei interpretiert, Florian Dietrich gibt mit "Toubab" sein Regiedebut und das dänische Enfant terrible Anders Thomas Jensen bringt seine "Helden der Wahrscheinlichkeit" gewohnt geschmacksprovokant auf die Leinwand. Was lohnt den Kinobesuch? Und wann lässt man das Portemonnaie besser stecken?

"Schachnovelle"
Drama
Deutschland
111 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Um die psychologische Folter der Gestapo zu überstehen, rettet sich ein von den Nazis inhaftierter Anwalt (Oliver Massuci) in die Welt des Schachs.

Dieses deutsche Drama basiert auf der gleichnamigen Novelle des österreichischen Autoren Stefan Zweig, die im argentinischen Exil in den Jahren 1983 bis 1941 entstand und nach seinem Freitod im Jahr 1942 veröffentlicht wurde. Bereits 1960 wurde es mit Curt Jürgens verfilmt, nun hat Philipp Stölzl ("Ich war noch niemals in New York") es in Szene gesetzt und konzentriert sich ganz auf die Leidensgeschichte der Hauptfigur, die er auf eine zunehmend surreal-phantastische Reise schickt. Die Studiocanal-Produktion ist ambitioniert und eindrucksvoll, insbesondere dank der hervorragenden Schauspieler. Die Studiocanal-Produktion hat gute Kritiken erhalten und ist für gleich sieben Deutsche Filmpreise nominiert: Als "Bester Film", für Nebendarstellerin Birgit Minichmayr, für Bühnenbildner Matthias Müsse, Kostümbildner Tanja Hausner, Maskenbildner Daniela Skala, Visuelle Effekte-Koordinator Michael Wortmann und die Tontechniker.

Unsere Kritikerin Bianka Piringer hat es gefallen: "Oliver Masucci und Albrecht Schuch überzeugen als Häftling und Gestapo-Mann in ihrem kammerspielartigen Duell, und die visuelle Gestaltung drückt dem Film einen originellen Stempel auf. Dass sich diese Version aber recht kühn von der Buchvorlage löst, lädt geradezu zu kontroverser Diskussion ein."

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"Helden der Wahrscheinlichkeit"
Komödie
Dänemark
116 Minuten
FSK 16

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein trauernder Witwer (Mads Mikkelsen) wird durch drei seltsame Typen (Nicolas Bro, Lars Brygman und Nikolaj Lie Kaas) auf die Idee gebracht, seine Frau sei einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Gemeinsam mit den Dreien plant er einen großen Schlag gegen das organisierte Verbrechen.

Diese dänische Komödie sollten sich nur solche Zuschauer ansehen, die mit tiefschwarzem Humor und provozierenden Geschmacklosigkeiten keine Probleme haben. Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen ("Men & Chicken") überrascht dabei mit philosophischen Subtexten, Brutalität und tieftraurigen melancholischen Elementen. Eine gelungene Mischung aus Gedankentiefe, Action und bösen Späßen. "Retfærdighedens ryttere" - so der Originaltitel - ist für gleich 15 Dänische Filmpreise nominiert gewesen, von denen sie vier gewinnen konnte: Für Hauptdarstellerin Andrea Heick Gadeberg, Nebendarsteller Lars Brygman, Komponist Jeppe Kaas und die Visuellen Effekte. Die Splendid-Produktion hat gute Kritiken erhalten.

Unser Rezensent Falk Straub rät zum Kartenkauf: "Ein wildes Auf und Ab. Die grob gezeichneten Charaktere bewegen sich durch eine Welt, in der sich derbe Späße und makabere Action mit liebevollen Momenten und leisen Zwischentönen abwechseln. Eine toll besetzte und umgesetzte Komödie mit rabenschwarzem Humor. Diese Helden der Wahrscheinlichkeit bieten nicht ganz ernst gemeinte Trauerarbeit voll irrer Zufälle und dürften alsbald Kultstatus erlangen."

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"Toubab"
Komödie
Deutschland
97 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein in Deutschland lebender Senegalese (Farba Dieng) will der drohenden Abschiebung entgehen, indem er eine Scheinehe mit seinem besten deutschen Freund (Julius Nitschkoff) eingeht.

Was als billige Klamotte hätte enden können, wird hier statt dessen zu einer sympathischen Liebeserklärung an eine Männerfreundschaft und einer unterhaltsamen Sozialstudie, die Rassismus, soziale Ungleichheit und Homophobie witzig und tragikomisch behandelt. Für Regiedebutant und Drehbuchautor Florian Dietrich eine starke Visitenkarte. Die Camino-Produktion hat gute Kritiken erhalten.

Unser Kollege Falk Straub ist ebenfalls angetan: "Ein beeindruckendes Debüt - toll photographiert, gecastet und gespielt und der Beweis, dass man auch im deutschen Kino ausgesprochen witzig von schwierigen Lebensverhältnissen voller Vorurteile, Ausgrenzung und Diskriminierung erzählen kann, ohne dabei die Moralkeule schwingen oder das schlechte Gewissen der Mehrheitsgesellschaft beruhigen zu müssen. Eine gelungene Komödie über Freundschaft, die am Ende gleich mehrere Grenzen überschreitet."

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"Ted Bundy: No Man of God"
Krimi
USA
100 Minuten
FSK 16

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Zwischen einem FBI-Analysten (Elijah Wood) und dem wegen Mordes verurteilten Serienmörder Ted Bundy (Luke Kirby) entwickelt sich während der Befragungen eine komplizierte Beziehung.

Die wahre Geschichte, die sich zwischen 1984 und 1989 abgespielt hat und auf den Aufzeichnungen des FBI-Analysten Bill Hagmaier beruht, ist schon häufig erzählt worden. Und wenn auch dieser US-Kriminalfilm der Regisseurin Amber Sealey nun nichts bahnbrechend Neues bietet, so machen ihn die exzellenten Schauspieler doch sehenswert. Die Central-Produktion hat gute Kritiken erhalten.

So auch von unserem Kritiker Andreas Köhnemann: "Ein klug durchdachtes, intensiv gespieltes Krimi-Zeitstück, das seine Spannung nicht durch billige Mittel, sondern durch eine feine Figurenzeichnung erzeugt."

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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