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Kritik: The Lego Movie (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits mit dem erfolgreichen Familienspaß "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" stellten Phil Lord und Christopher Miller unter Beweis, dass sie nicht nur die Regeln des Animationsfilms beherrschen, sondern zudem eigene Akzente zu setzen wissen. Noch deutlicher wird dies in der neusten Zusammenarbeit des Regie- und Autorenduos, dem ersten großen LEGO-Kinoabenteuer, das in den USA überraschend schnell für klingelnde Kassen sorgte. Ein Erfolg, der nicht zuletzt auf der Bekanntheit der dänischen Spielzeugmarke fußt, ganz gewiss aber entscheidend von Lord und Miller geprägt wurde. Ihrem gewitzten Drehbuch ist es zu verdanken, dass der Film nicht zu einer Nonstop-Werbeshow verkommt, was im Vorfeld so mancher Beobachter – sicherlich nicht unberechtigterweise – befürchtet hatte. Natürlich wird immer wieder der Kultcharakter der bunten Steinchen beschworen. Gleichzeitig erzählt "The LEGO Movie" aber auch eine Geschichte mit Ecken und Kanten, die darüber hinaus eine wichtige Botschaft vermittelt.

Auf den ersten Blick scheint alles perfekt zu laufen in der LEGO-Stadt, in der der gutmütige Bauarbeiter Emmet (Originalstimme: Chris Pratt) zu Hause ist. Das Leben der Bewohner verläuft in geregelten Bahnen. Feste Anleitungen – wie man sie auch von den LEGO-Produkten im Handel kennt – sorgen dafür, dass niemand aus der Reihe tanzt und der Fluss der Dinge nicht ins Stocken gerät. Jeder kennt seinen Platz und füllt ihn gerne aus. Fröhlichkeit lässt sich auf Knopfdruck herstellen. Etwa mit den Fernsehsendungen, die alle Minifiguren zur selben Zeit schauen. Oder dem Ohrwurm "Everything is Awesome", der das Stimmungsbild in der Stadt treffend einfängt. Schwungvoll, zupackend und ausgelassen gehen Emmet und seine Zeitgenossen zu Werke. Eine Welt, die letztlich zu schön ist, um wahr zu sein. Schon der mitreißende Einstieg in den Film liefert Brüche und Irritationen, die auch dem jungen Publikum nicht verborgen bleiben dürften.

Wo alle Tagesabläufe konkret durchgeplant sind, ist kein Platz für eigenständiges Denken, erst recht nicht für selbstverantwortliches Handeln. Großkapitalist President Business alias Lord Business (Will Ferrell) versorgt die Bewohner mit allen angeblich notwendigen Gütern und hat sich so immer tiefer in ihren Alltag hineingefressen. Perfektion ist sein Leitprinzip, was jegliche Spontaneität im Keim erstickt. Selbst persönliche Beziehungen bestehen nur, soweit es der festgelegte Bauplan vorsieht. Das muss Emmet schmerzlich erfahren, als er eines Tages auf die mysteriöse Wyldstyle (Elizabeth Banks) trifft, die ihn fälschlicherweise für den Auserwählten einer Prophezeiung hält. Plötzlich avanciert der gewöhnliche Bauarbeiter zu einem Gejagten, der von Bekannten verleugnet wird. Auch wenn er sich anfangs sträubt, die LEGO-Stadt zu verlassen, rettet Wyldstyle ihn letztlich aus einer perfiden Fröhlichkeitsdiktatur.

Mit Emmets Entführung nimmt das Animationsabenteuer, das optisch auf einen eher fotorealistischen Stil setzt, schließlich richtig Fahrt auf. Die hübsche Meisterbauerin bringt ihn zum blinden Zauberer Vitruvius (Morgan Freeman), der den vermeintlich Auserwählten in seine kommende Aufgabe einweiht: Ausgerechnet er, der unbedarfte Jedermann, soll eine Gruppe illustrer Mitstreiter anführen und die Pläne des hinterhältigen Lord Business vereiteln, der die LEGO-Welt mit einer Superwaffe verkleben will, um eine vollkommene Ordnung herzustellen. Dem Muster großer Hollywood-Epen folgend, wird Emmet als Held wider Willen gezeichnet, der zunächst überhaupt nicht bereit scheint, den Retter zu spielen. Und geradezu lächerlich wirkt neben all den großen Namen, die ihn umgeben. Ob Batman, Wonder Woman, Superman oder Green Lantern, zahlreiche bekannte Figuren der Popkultur geben sich die Klinke in die Hand und zweifeln zunächst die Fähigkeiten des einfachen Bauarbeiters an. Ein Schachzug, der freilich direkt zur Botschaft von "The LEGO Movie" führt. Emmet muss lernen, endlich wieder eigenständiger zu denken und seine verloren gegangene Fantasie neu zu entdecken.

Lord und Miller meinen es mit ihrem Appell an Individualität und Kreativität jedes Einzelnen durchaus ernst, was sie gegen Ende noch einmal nachdrücklich betonen, wenn sie eine zweite Ebene in die Handlung einziehen und das bunte Animationsgeschehen zusätzlich mit Bedeutung aufladen. Neben der pädagogischen Ausrichtung funktioniert der Film allerdings auch als rasant-gewitztes Familienabenteuer, das mit zahlreichen Querverweisen und Anspielungen punkten kann. Ohne Rücksicht auf erzählerische Regeln entfesseln die Macher einen actiongeladenen Genre-Ritt, der durch ein LEGO-Western-Universum führt, in Fantasy-Welten Halt macht, Science-Fiction-Elemente bedient und wiederholt ironische Abstecher in romantische Gefilde unternimmt. Alles ist erlaubt und machbar. Eine grundsätzlich lobenswerte Devise, die das vor Ideen sprühende Regie-Duo manchmal jedoch etwas zu offenherzig umarmt. Stellenweise fällt die Handlung übertrieben hektisch aus und droht so, zumindest die ganz jungen Zuschauer zu überfordern.

Äußerst treffsicher erweist sich "The LEGO Movie", was seinen Humor anbelangt. Viele der reichlich vorhandenen Gags zünden erstaunlich gut. Gelungene Zitate – häufigstes "Opfer" ist gewiss "Der Herr der Ringe" – sind ebenso zu finden wie Momente umwerfender Situationskomik. Abgerundet wird das positive Gesamtbild durch originelle Figureneinfälle, wobei der schizophrene Good Cop/Bad Cop (im Original von Liam Neeson gesprochen), der ein klassisches Muster des Polizei- bzw. Kriminalfilms persifliert, besondere Erwähnung finden muss.

Fazit: Auch wenn der Handlungsverlauf mitunter etwas hektisch gerät, überzeugt "The LEGO Movie" durch Witz, Charme, einen sympathischen Helden und eine lobenswerte Botschaft, die das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller mit einem stellenweise überraschend kritischen Blick vorbringt.





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