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Ricki - Wie Familie so ist
Ricki - Wie Familie so ist
© Sony Pictures

Kritik: Ricki - Wie Familie so ist (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Meryl Streep und ihre Tochter Mamie Gummer spielen in diesem Film von Regisseur Jonathan Demme ein Mutter-Tochter-Gespann, das sich kaum kennt. Denn Julie und ihre Brüder wurden schon im Kindesalter von ihrer Mutter Linda verlassen, die dem unsteten Leben einer Rockmusikerin den Vorzug gab. Nun aber braucht die nach dem Scheitern ihrer Ehe suizidgefährdete Julie Beistand und Ricki, wie sich Linda auf der Bühne nennt, sieht ihre Familie endlich wieder. Demme und seine Drehbuchautorin Diablo Cody ("Juno") präsentieren einen eigentümlichen Zwitterfilm: Denn die Geschichte wiederholt praktisch Rickis einstige Entscheidung, der Musik den Vorzug zu geben und bezieht ihren Reiz weniger aus dem dünnen Familiendrama, als aus der Live-Performance der Rock'n'Roll-Band.

Meryl Streep wagt sich als alternde Rocklady auf die Bühne, mit einer wilden blonden Mähne, die halbseitig zu drei Zöpfen gebändigt ist. Sie kleidet sich in Leder und Spitze und trägt eine E-Gitarre, die sie extra für den Film spielen lernte. Denn Jonathan Demme, der schon viele Musikfilme gedreht hat, zum Beispiel über Neil Young oder die Talking Heads, legte Wert darauf, dass die Band ihre Cover-Songs live spielt. Streep singt unter anderem Lieder von Tom Petty und Bruce Springsteen, mit einer so mitreißenden Ausstrahlung, dass es einen wie ihr Publikum im Film kaum auf den Sitzen hält. Rick Springfield, der mit Hits wie "Jessie's Girl" in den Achtzigern ein Rockstar wurde, spielt Greg. Die anderen Bandmitglieder sind ebenfalls echte Profis. Der nach den Dreharbeiten verstorbene Bassist Rick Rosas zum Beispiel spielte unter anderem mit Neil Young.

Wenn Ricki und The Flash auf Joshs Hochzeit auftreten und das anfangs so steife Brautpaar wild und ausgelassen tanzt, fühlt man sich an Demmes Film "Rachels Hochzeit" erinnert. Auch dort spielte die Musik eine große Rolle, bestimmte am Schluss die gelöste Atmosphäre. Hier aber bleibt das Familiendrama sehr reduziert und oberflächlich. Mamie Gummer hat zwar starke Auftritte als völlig derangierte Julie, während Meryl Streep und Kevin Kline gut harmonieren, aber die Handlung wirkt sprunghaft, die Konflikte werden nur angerissen. Die Nüchternheit von Codys Drehbuch mündet manchmal in schnodderigen Dialogwitz, der gut zur wilden Ricki passt. Insgesamt ein sympathischer Film, der aber vor allem von Meryl Streeps kerniger Rockperformance lebt.

Fazit: Jonathan Demme inszeniert nach dem Drehbuch von Diablo Cody einen Zwitterfilm, der halb Drama, halb Rockkonzert ist. Meryl Streep beweist darin als Sängerin und Gitarristin Ricki, dass auch ältere Frauen, nicht nur grauhaarige Männer, den Geist des Rock'n'Roll stil- und kraftvoll lebendig machen können. Der Rest der Geschichte wird von den Bühnenauftritten Rickis und ihrer Band geradezu in den Schatten gestellt.





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