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Elliot, der Drache
Elliot, der Drache
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Elliot, der Drache (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Geschichten über Kinder, die in der Wildnis aufwachsen, sind faszinierend, aber auch traurig. Sie zeugen vom Verlust menschlicher Geborgenheit und belegen zugleich das Unvorstellbare: Dass es eine gedeihliche Entwicklung in der Obhut von Tieren geben kann. Vielleicht sogar von solchen, die ins Reich der Fabeln verbannt sind, weil nur wenige Menschen behaupten, sie je gesehen zu haben. Der von David Lowery inszenierte Kinder-Abenteuerfilm ist eine Neuinterpretation von "Elliot, das Schmunzelmonster" aus dem Jahr 1977. Die Geschichte erzählt mit dem Ernst eines Märchens von einer seelischen Wiedergutwerdung, nämlich wie der verwaiste Pete, der bei einem geflügelten Drachen aufwächst, Trost in neuen Beziehungen findet. An der Schnittstelle zwischen äußerer Realität und innerem Erleben baut sie auch den Umweltschutzgedanken mit ein und mahnt den Respekt vor einer Wildnis an, die nie gezähmt werden darf.

Ein zentraler Aspekt dieser bezaubernden Geschichte ist die Familie, die in vielen verschiedenen Varianten vorkommt. Pete hat seine Eltern verloren, aber die Erinnerung an sie schlummert weiter und wird ihn wie magisch die Nähe der Rangerin Grace suchen lassen. Pete führt Grace wiederum mit ihrem Vater zusammen, dem Märchenonkel, dem sie schon lange nicht mehr geglaubt hat. Und da ist das Mädchen Natalie, das Pete wie eine Schwester eine Brücke in die Zivilisation baut, ihm zeigt, wie man bei Tisch isst und Platten hört. Der Drache Elliot versteht ohne Sprache, was in Pete vorgeht, als er diesen Menschen begegnet. Aber die beiden sind ja ebenfalls eine Familie, Seelenverwandte mit verspielt kindlichem Gemüt. Dieses sieht man dem schnaubendem, murrenden Drachen, der einem haarigen Hund oder Pferd ähnelt, beispielsweise schon an, wenn er beim Fliegen die Beine ungelenk baumeln lässt.

Ein anderer zentraler Aspekt der Geschichte ist die Größe. Äußerlich betrifft sie den Drachen, die Wildnis im Nordwesten der USA, die am Drehort Neuseeland heraufbeschworen wird. Die Aufnahmen wirken majestätisch und kommen den Figuren dennoch so nahe, dass man ihre Gefühle zu spüren meint. Die äußere Größe der Dinge findet ihr Pendant in der intuitiven Tiefe der Erzählung. Beinahe so zeitlos wie ihre emotionalen Wahrheiten wirkt auch das Holzfällerstädtchen oder die Filmmusik, wenn beispielsweise Leonard Cohens "So Long, Marianne" erklingt. Der Drache übrigens kann sich unsichtbar machen – eine Metapher für all das Wirkliche, das sich in seiner vollen Dimension dem menschlichen Zugriff entzieht.

Fazit: In David Lowerys Abenteuerfilm für Kinder geht es hinaus in die tiefen Wälder, wo ein Waisenjunge in der Obhut eines Drachens wohnt. Die majestätischen Bilder des computergenerierten Fabelwesens inmitten einer realen Naturkulisse beflügeln die Vorstellungskraft und schicken sie auf die Suche nach der zeitlosen Wahrheit der Märchen. Der schöne Film bezaubert mit seinem intuitiven Stil, der konträre Sehnsüchte nach dem Unbekannten und nach Geborgenheit mühelos vereint.





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