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Der Soldat James Ryan
Der Soldat James Ryan
© United International Pictures

Kritik: Der Soldat James Ryan (1998)


Kein Genre ruft ähnliche Kontroversen hervor wie der Kriegsfilm. Selbst die vermeintlich unstrittigen Meisterwerke finden ihre Gegner, und sind deren Argumente ernsthaft (und nicht ideologiediktiert) lohnt die Auseinandersetzung allemal.

So also auch rund um Spielbergs vieldiskutierten und vor allem in den USA hochgelobten Kriegsfilm "Der Soldat James Ryan". Hierzulande ist das Medienecho eher verhalten, wogegen es nichts zu sagen gibt. Ärgerlich allerdings ist, daß eine Reihe deutscher Feuilletonisten den Film allein deshalb für fragwürdig bzw. zwiespältig halten, weil seine Grundhaltung eine patriotische sei. Nun kann man sicher darüber diskutieren, ob das Schlußbild des Films - der greise James Ryan salutiert auf einem Soldatenfriedhof angesichts der Gräber seiner Retter - die Intension des Werkes nicht letztlich konterkariert. Einem Film aber patriotische Untertöne vorzuwerfen, der auf unerhört eindringliche Art und Weise an das Leid der amerikanischen Soldaten erinnert, die gegen den schlimmsten Tyrannen der Geschichte gekämpft und die Welt immerhin von ihm befreit haben, das ist naiv und auf dumme Art unpolitisch.

Der wichtigste Verdienst von Spielbergs Film erschließt sich weniger aus dem Werk selbst, sondern aus der Stellung die der Film fortan innerhalb der Filmgeschichte einnehmen wird. "Der Soldat James Ryan" ist nämlich einer der ganz wenigen Filme mit expliziter Gewaltdarstellung, der sich radikal jedweder Ästhetisierung von Gewalt und Waffen sowie der damit einhergehenden Heroisierung des beteiligten Personals verweigert.

Hier wird gerade in der ersten halben Stunde von Spielberg filmisches Neuland beschritten. Die Landung der Alliierten in der Normandie, der sogenannte D-Day, in zahllosen Kriegsfilmen historischer Hintergrund für erbauliche Soldatentümelei, ist bei Spielberg ein zutiefst deprimierendes, infernalische Gemetzel. Allumfassend sind Chaos und Terror, im dem sich völlig entindividualisierte Massen anonym abschlachten. Eingefangen wird das Ganze von einer semidokumentarischen verwackelten Handkamera, die mitten im Geschehen ist, und unterlegt von einem hundsgemeinen Sounddesign, bei dem bei allem Getöse immer wieder einzelne schmatzende Einschläge herauszuhören sind. Und am entsetzlichsten ist der Lärm sowieso, wenn er in ohrenbetäubendes Schweigen übergeht und sich der ganze Schrecken in den Augen von Tom Hanks wiederspiegelt.

Die schwächeren Sequenzen von James Ryan sind all jene, in denen das Gezeigte in Dialogen noch einmal nachbereitet wird. Da tauchen sie dann doch wieder auf die "es gibt keinen Gott, denn der würde sowas nie zulassen"-Landsersprüche. Das ist ebenso schade wie das verunglückte Schlußbild, tut jedoch der Qualität des Films im Ganzen keinen Abbruch.

Außerdem wissen wir jetzt wie der ultimative Kriegsfilm aussehen würde. Er bestünde aus der ersten Hälfte von Kubricks "Full Metal Jacket" und der Landungssequenz von Spielbergs "Der Soldat James Ryan".





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