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Kritik: Die Wonder Boys (2000)


"Wonderboys", Hansons Film 1 nach "L.A. Confidential", unterstreicht die Fähigkeiten des Regisseurs. Die grandios gespielte, dramatische Komödie ist ein durch und durch mitreißendes Meisterwerk voller Lebensweisheit. Dabei erzählt "Wonderboys" weniger eine Geschichte, als dass er von seinen Figuren erzählt. Obwohl die Handlung genug roten Faden zusammenbringt, um spannend zu wirken, so ist ihre Hauptaufgabe doch eher darin zu sehen, den Figuren Steine in den Weg zu legen, an denen sie sich reiben können. Es geht um Grady Tripp, den kiffenden Literaten auf Abwegen und seinen Schüler James, aber gleichzeitig auch um jede andere kleine Figur im Hintergrund, ob Terry, Q oder Hannah. "Wonderboys" nutzt -trotz literarischer Vorlage- diese einzigartigen Qualitäten des Kinos, in Nuancen erzählen zu können, also Figuren alleine schon durch Andeutungen zu charakterisieren, die im Auge oder in einer Bewegung der Darsteller gerade so sichtbar werden. Zum Glück kann Curtis Hanson hierfür auf ein paar grandios aufspielende Akteure zurückgreifen. Gerade Michael Douglas und Tobey Maguire bieten sich ein Duell auf höchster Ebene. Aber auch die Nebendarsteller sind perfekt besetzt, was vor allem bei Katie Holmes zu unerwartet guten Leistungen führt. Hanson selbst ist aber neben dem auf Michael Chabons (ebenso guten, aber ungleich dunkleren) Roman beruhenden Drehbuch von Steve Kloves der Dreh- und Angelpunkt des Films. Er erzählt seinen Film mit leiser Ironie, distanziert, wunderbar lakonisch. Wie schon bei seinem sonst kaum vergleichbaren "L.A. Confidential" baut er einen regelrechten Sog auf, der durch die Figuren des Films gefangen nimmt. Es gibt Sequenzen, da will man gar nicht mehr, dass der Film überhaupt aufhört. In manchen Szenen erinnert "Wonderboys" an das Beste, was die Coens jemals zusammengebracht haben. Wie bei diesen Beiden stehen hier die Figuren mit ihren Neurosen im Mittelpunkt, wie bei diesen wirkt die Handlung zeitweise schon absurd (wenn zum Beispiel ein toter Hund immer wieder zum handlungstragenden Objekt wird). Dennoch unterscheidet sich Hansons "Wonderboys" dadurch, dass seine Figuren niemals zu Freaks werden. Die liebevoll gezeichneten Charaktere haben mehr Dimensionen, sie haben ihre Ecken und Kanten, aber auch ihre Qualitäten. Zu guter letzt wissen sie um die Absurdität ihrer Situation und handeln dementsprechend. Dies hebt "Wonderboys" ab, macht ihn zu einem zwar melancholischen, aber doch immer mitreißenden Film, der das Leben in all seiner Schönheit präsentiert. Gerade hier, in der melancholischen Rückbesinnung auf das Lebenswerte, zeigt sich, dass "Wonderboys" sehr viel mit Filmen wie "American Beauty" oder "High Fidelity" gemein hat. Vielleicht ist das höchste und doch gerechtfertigte Lob, dass ich aussprechen kann, dass er gerade mit diesen Filmen ohne Probleme mithalten kann. "Wonderboys" ist ein Außnahmefilm. Knut Brockmann< Wenn Michael Douglas in die Midlife-Crisis kommt, verabreicht Curtis Hanson ihm die richtige Medizin. Das mit "L.A. Confidential" berühmt gewordene Regietalent hat sich drei Jahre auf den Lorbeeren ausgeruht, um nun mit dieser treffsicheren, im besten Sinne "sophisticated comedy" zu zeigen, dass sein Pulver längst noch nicht verschossen ist. Schräge, originelle Charaktere, markante Details, unschlagbar komische Beobachtungen: Steven Kloves dicht verwobenes Drehbuch (nach dem Roman von Michael Chabon) kann sich sehen lassen. Hansons Regie ist elegant und voller Abwechslungen und das Ergebnis auf der Leinwand eine exquisite, hintersinnige Satire. Ein klasse Darsteller-Ensemble meistert jede Nuance. Zynisch-verlottert: Michael Douglas; leichenblass: Tobey Maguire. Und Robert Downey Jr. stiehlt den anderen wieder mal die Schau in einem Film, bei dem es gilt, mit toten Bulldoggen im Kofferraum umherzufahren, sein Fahrzeug gegen einen wütenden James-Brown-Verschnitt zu verteidigen und Marylin Monroes Federboa-Weste zu entwenden. Der Wechsel zwischen heiteren und ernsten Szenen gelingt bravourös, doch auf geschliffene Dialog-Duelle und bizarre Wendungen folgt schließlich im finalen Drittel ein Durchhänger, den man jedoch verschmerzen kann. Der Fehlstart, den der Film dank einer miesen Marketingkampagne in den USA erleiden musste, bleibt diesem raren Kinoglanzlicht hierzulande hoffentlich erspart.





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