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Zodiac - Die Spur des Killers
Zodiac - Die Spur des Killers
© 2007 Warner Bros. Ent.

Kritik: Zodiac - Die Spur des Killers (2006)


1995 legte Regisseur David Fincher mit "Se7en" einen Serienmörder-Thriller vor, der mit seinem ungewöhnlichem visuellen Stil, drastischen Bildern und einem ziemlich bösartigen Ende zu überzeugen wusste. In "Zodiac – Die Spur des Killers" erzählt Fincher erneut von einem Serienkiller, und auch dieser Film weiß zu überzeugen. Hier enden dann auch schon die Gemeinsamkeiten.
Anders als "Se7en" folgt "Zodiac-Killer" keiner fiktiven Geschichte, sondern stellt wahre Begebenheiten nach:
Von Dezember 1968 bis Oktober 1969 wurden im Großraum San Francisco 5 Menschen von einem Unbekannten ermordet, zwei weitere wurden schwer verletzt. Anfangs meldete der Mörder telefonisch seine Taten, ab August 1969 machte er sich dann einen Spaß daraus, Briefe an die örtliche Presse zu schreiben, in denen er sich selbst "Zodiac" taufte, verschiedenste Drohungen ausstieß und einige Details zu den Morden gab, die den Absender eindeutig als den Täter identifizierten. Darüber hinaus schickte er chiffrierte Texte mit der Aufforderung, sie zu veröffentlichen um weitere Bluttaten zu verhindern. Obwohl der Killer von zahlreichen weiteren Opfern schrieb, konnte ihm kein weiterer Mord mehr nachgewiesen werden – doch erst 1974 erreichte der letzte, eindeutig verifizierte, Brief die Presse. Unter den rund 2500 Verhörten galt der wegen Kindesmissbrauchs verurteile Arthur Leigh Allen als einer der Hauptverdächtigen, doch Durchsuchungen, Schriftproben, Fingerabdrücke erbrachten keine belastenden Ergebnisse. Allen verstarb 1991, kurz nachdem seine Wohnung erneut durchsucht worden war. Der Zodiac-Killer wurde nie gefasst. Zahlreiche Bücher und einige Filme diskutierten die Mordserie oder wurden von ihr inspiriert, so basiert etwa die Figur des "Dirty Harry" auf dem mit dem Mordfall betrauten Detective Toschi . Finchers "Zodiac – Die Spur des Killers" basiert auf dem Buch "Zodiac", das von Karikaturist, Zeichner und Autor Robert Graysmith veröffentlicht wurde. Zu der Zeit der Morde arbeitete Graysmith als Karikaturist beim San Francisco Chronicle - er war anwesend , als die zum Teil chiffrierten Briefe des Mörders in der Redaktion eintrafen. Wie die erzählte Zeit von immerhin 24 Jahren erahnen lässt, stehen die Morde aus den Jahren 1968/69 nicht im Mittelpunkt des Geschehens, sondern sind nur der Anstoß für die Story, die Fincher weniger als Suspense-Thriller, denn als Drama und Charakterstudie inszeniert. Hauptfigur ist der über Jahrzehnte obszessiv recherchierende, und für die Suche nach dem Mörder gar seine Ehe opfernde Graysmith (Jake Gyllenhaal) – die Story folgt seinen Überlegungen, seinen vergeblichen Versuchen den Täter zu entlarven und bietet schließlich jenen Verdächtigen als wahrscheinlichen Täter an, auf den auch Graysmith sich festgelegt hat. Daneben folgt der Film den persönlichen Dramen von Graysmith' "Mitstreitern" – dem immer weiter in Alkohol- und Drogenabhängigkeit abrutschenden Journalisten Paul Avery (Robert Downey Jr.), sowie dem zu Ruhm gekommenen, durch seine Erfolglosigkeit aber schließlich in Ungnade gefallenen Detective Toschi (Mark Ruffalo) und seinem frustrierten Kollegen Armstrong (Anthony Edwards). Bei der Inszenierung hat sich Fincher extrem zurückgehalten – es ging ihm ganz klar weniger um Spannung und ungewöhnliche Bilder, als um das präzise Nachstellen der Begebenheiten. So ist das vielleicht Auffälligste das Verschwinden der Farben Dass der Film größtenteils in den quitschbunten 60er und 70er Jahren spielt, wird hauptsächlich in den Mordszenen, an der Kleidung der Opfer, deutlich. Anschließend dominieren gedeckte Farben, und allenfalls kleine (und seltene) Details wie eine Brille, ein Auto, ein Telefon verweisen noch auf das zeitliche Setting – als hätten die Morde die Welt grauer und eisiger gemacht. Die Mordszenen, anhand der Polizeifotos und Zeugenaussagen so wahrheitsgetreu wie möglich inszeniert, sind durchaus drastisch – was wohl schlicht in der Natur der Sache liegt. Im Anschluss erschlägt einen der Film förmlich mit einer Flut von Fährten, Beweismitteln, Zeugenaussagen – manche führen zu neuen Erkenntnissen, andere ins nichts, wieder andere wirken viel versprechend, werden aber vergessen – wie das vermutlich so ist, bei Ermittlungen die sich über Jahrzehnte hinziehen und tausende Verdächtige produzieren. Am Ende kann man die Frustration der vier Hauptfiguren angesichts des ungelöst gebliebenen Falls nachempfinden – es ist ein wenig wie ein Puzzle, das einfach nicht zusammenpassen will. Ganz ehrlich: Ich war nach dem Film ziemlich kaputt, mein erster Gedanke war: "Puh, war das lang" - obwohl zum Beispiel "Pirates of the Caribbean" noch etwas länger ist. Aber: In ausgeruhtem Zustand, ein paar Stunden, und tatsächlich auch noch über eine Woche später, habe ich mich immer wieder dabei "erwischt" wie ich über den Film nachgedacht habe. Soll heißen: Die Mühe die es auf Dauer bereitet, "Zodiac – Die Spur des Killers" zu sehen, lohnt sich durchaus. Denn mehr als man es während des Sehens erwartet, setzt sich "Zodiac" im Kopf fest und wirkt nach – und das ist wohl mit das beste, was man über einen Film sagen kann.





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