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The King's Speech
The King's Speech
© Central Film

Kritik: The King's Speech (2010)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nachdem in den letzten Jahren vor allem die weiblichen Mitglieder der britischen königlichen Familie in Filmen verewigt wurden, hat sich Regisseur Tom Hooper nun König George VI, dem früh verstorbenem Vater von Queen Elisabeth II, gewidmet. Der Regisseur konzentriert sich dabei auf die turbulente Zeit vor der unerwarteten Thronbesteigung des Zweitgeborenen von König George V. - und insbesondere auf die massive Sprachstörung, die dem von der Familie "Bertie" genannten Prinz Albert jeden öffentlichen Auftritt zur Qual werden ließen.
Mit allerlei Preisen bedacht und nominiert für 12 Oscars lief der Film dieses Jahr auf der Berlinale außer Konkurrenz im Rahmen des Wettbewerbsprogramms - und war dort ganz klar der beste Film den ich gesehen habe.
Ein Historiendrama über einen stotternden Prinzen klingt ja zunächst mal nicht sehr spannend - aber Hopper gelingt hier einfach alles. Mit einem großartigen Ensemble inszeniert er nicht nur das Drama eines Königs wider willen, sondern auch die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern. Der eine, gespielt vom brillanten Geoffrey Rush, ein unkonventioneller, liebenswerter, aber als australischer Einwanderer in der britischen Standesgesellschaft verlachter Ausgestoßener; der andere, der ebenso grandiose Colin Firth, ein von Standesdünkel geprägter, aber völlig verunsicherter Aristokrat. Daneben überzeugt vor allem Helena Bonham-Carter als Elizabeth, liebevolle Ehefrau des stotternden Prinzen (die in späteren Jahren als Queen Mum bekannt werden sollte) - aber auch alle anderen Darsteller liefern hier beste Arbeit ab.
Das Drehbuch, ausgestattet mit viel Dialogwitz, liefert einen ungewöhnlichen Einblick in das Leben der Windsors, macht es doch klar, dass es nicht gerade angenehm ist, als potentieller Thronerbe im goldenen Käfig zu leben, ohne echte politische Macht, von Geburt an gezwungen zu einem Leben in der Öffentlichkeit, die die Monarchen als eine Art nostalgisches Dekor missbraucht. So werden die Windsors hier als eine Art jahrhundertealte Schauspieler-Dynastie dargestellt, die den Sprösslingen kaum eine Möglichkeit bietet auszubrechen.
So wird es denn auch nachvollziehbar, dass der "ewige Prinz" Charles nicht allzu unglücklich darüber scheint, dass seit Jahren darüber spekuliert wird ob er überhaupt je den Thron besteigen wird. Schon die männlichen Thronerben vor ihm, so lernen wir hier, hatten ja kein ungetrübtes Verhältnis zur Krone, übernahm doch schon sein Großvater Prinz Albert, der spätere König George VI, das Zepter nur aus Pflichtbewusstsein und überaus widerwillig von seinem älteren Bruder, der aus Liebe zu einer zweifach geschiedenen Amerikanerin sang und klanglos abgedankt hatte. Und man kommt nicht umhin den Hut zu ziehen vor Queen Elizabeth II, die seit nunmehr bald 60 Jahren mit eiserner Disziplin das britische Staatsoberhaupt mimt.
Und nun soll einmal gelobt werden, was viel zu oft unbeachtet bleibt: Die Arbeit der Beleuchter. Schon in der ersten Szene ist das Licht auffallend gut: Der stotternde Prinz Albert soll eine Rede im Radio halten und schon bevor er seinen Mund öffnet macht sein grünlich ausgeleuchtes Gesicht klar, wie sehr der Mann leidet. Großartig dann in späteren Einstellungen, in denen ein großer Raum durch unterschiedliche Lichtstimmungen quasi unterteilt, und so die Wahrnehmung der Tiefe optisch verstärkt wird. Da das Licht unter die Aufsicht des Kameramanns fällt gilt das Lob natürlich auch Kameramann Danny Cohen für seine saubere Arbeit.
Aber auch sonst findet sich nichts zu mäkeln: Schnitt, Ausstattung, Kostüme, Musik - hier stimmt einfach alles. Und so werden wohl nur Trash-Freunde oder Action-Fans nicht so recht glücklich mit "The King's Speech".

Fazit: Nicht verpassen! Ein Film, wie man ihn nur sehr, sehr selten sieht: So kugelrund wie nur möglich.





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