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Prometheus - Dunkle Zeichen - Hauptplakat
Prometheus - Dunkle Zeichen - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Prometheus - Dunkle Zeichen (2012)


Die eigentliche Idee zu "Prometheus" hatte Ridley Scott laut eigenen Angaben schon während des Drehs zu "Alien" im Jahre 1979. Schon damals war er gemeinsam mit seinen Drehbuchautoren von der mumifizierten Figur, auf welche die Crew um Lieutenant Ripley im Inneren des monströsen Raumschiff-Wracks am Ende stoßen sollte, unglaublich angetan. Und nun, ganze 33 Jahre und unzählige andere Filme aus Scotts Feder später, hat der Regisseur trotz hohen Alters von über 70 Jahren "Prometheus" fertiggestellt. Und zwar nur den Beginn: Wenn alles gut geht, erhalten wir insgesamt drei Prequel-Filme, "Prometheus" soll nur der Startschuss sein: Das gigantische Skelett und das mysteriöse Raumschiff, dass den Ursprung für den ganzen Horror um "Alien" bildet, erhält nun endlich seine Vorgeschichte. Und mit Vorgeschichten weiß die Filmwelt eigentlich vorsichtig umzugehen: Mahnendes Beispiel bleibt George Lucas "Star Wars: Episode I".
Doch die Vorfreude auf ein solches Spektakel übertüncht immer den Zweckpessimismus. So ist "Prometheus" neben Christopher Nolans "The Dark Knight Rises" der heißersehnteste Film des Jahres. Und wie es mit den Erwartungen so ist – sie werden enttäuscht. Sogar dann, wenn man mit großer Absicht auf die Euphoriebremse tritt. Denn "Prometheus" ist nicht der erhoffte 80er Jahre Scott – eine wahre cineastische Delikatesse - sondern lediglich lupenreines und massentaugliches Bombastkino. Gut besetzt hat der Film zwar seinen eigenen Reiz: Im Endeffekt aber behandelt Scott seine aufgeworfenen philosophischen und religiösen Fragen nach Schöpfer und Schöpfung nur sehr scheinheilig. Erdrückt von großangelegten 3D-Effekten wirkt "Prometheus" wie ein gutschmeckendes Schnitzel, wo man doch ein leckeres Filet erwartet hatte.

Als sich 1979 jenes monströses Raumschiff Nostromo durch die Weiten der Galaxis sich seinen Weg bahnte und tonlos über die Leinwand donnerte, hatten diese Bilder etwas Magisches, etwas Gruseliges und etwas Klaustrophobisches. Die Crew rund um Sigourney Weaver wuchs zu einer ikonischen Gruppe voller Einzelgänger und etwas Fesselndes hatte den Zuschauer in seinen Bann gezogen: Die Atmosphäre des Films. Nun, 33 Jahre und unzählige technische Weiterentwicklungen später, müssen Studios und Produktionsfirmen im Trend bleiben. Und das bedeutet: CGI +3D. So ist es keine sonderliche Überraschung, dass auch Scott auf den ungeliebten 3D-Zug aufspringt um den Kinomassen zu gefallen. Doch dadurch verrät er alle alten Tugenden des Films. Sein "Prometheus" hat mit seinen spektakulären Bildern natürlich seinen eigenen, neumodischen Reiz. Beim Stichwort Atmosphäre aber werden sich die Geister spalten. Scotts "Alien"-Prequel wirkt an vielen Stellen wie "Avatar" – nur mit einem düsteren Filter überzogen. Klaustrophobie kann sich nur an manchen Stellen in den Katakomben des außerirdischen Raumschiffs entwickeln – wirkliche Spannung aber kann bei dem albernen Verhalten der Crew-Mitglieder einfach nicht entstehen. Man muss sich nur vor Augen halten: Hier sind die besten Forscher der Welt versammelt – und sie verhalten sich schlimmer, als die jungen Extremtouristen in "Chernobyl Diaries". Für eine aussagekräftige Crew installiert Scott auch viel zu viele Gesichter, die am Zuschauer nichtssagend vorbeirauschen und im Verlauf des Films irgendwann ihren Abgang antreten. "Prometheus" ist ein Standardwerk des 21. Jahrhunderts - und vielleicht ist es auch zu melancholisch und nostalgisch verträumt, gehofft zu haben, dass Scott sich selbst treu bleiben würde. Doch fest steht: Zumindest für jenen Kinobesucher, der die "Alien"-Originale nicht kennt, kann sich "Prometheus" zu einem unterhaltsamen 3D-Spaß entwickeln.

Handlungstechnisch werden sich schon wieder die Lager spalten. Positiv ausgedrückt, kann man formulieren, dass sich Scotts Ziel "Prometheus" als Prequel zu etablieren, gelingt, weil der Regisseur sehr viele Elemente seines Originals auf- und übernimmt. Und dies nicht nur beim Design des düsteren Planeten oder des schlussendlichen Twists, der eindeutig an den ersten Alien angelehnt ist – sondern auch bei den Charakterzeichnungen und Auslegungen der Figuren.
Aber auch hier ist "Prometheus" ein Film der Extreme: Denn negativ ausgedrückt, kann man dem Fachmann Scott auch einfach kaum stattfindende Originalität vorwerfen. "Prometheus" erzählt – ganz nüchtern betrachtet – nichts, was der "Alien"-Fan nicht kennt. Seine Hauptfigur Elisabeth ist eindeutig eine Hommage an Sigourney Weaver, die mit Naomi Raplace auch tatsächlich sehr gut besetzt ist. Sie gibt ihr letztes Hemd und zeigt wortwörtlich, was in ihr steckt. Michael Fassbender als Androide besitzt bei all den Figuren noch den meisten Reiz, weil man seine zwielichtige Haltung nie ganz durchschauen kann. Charlize Theron und der nicht zu erkennende Guy Pierce reihen sich dagegen in die Aussagelosigkeit ein, weil ihre Charaktere viel zu engstirnig Klischees bedienen.
Auch Thematisch versucht sich Scott wieder an philosophischen Fragen, welche sich um die Essenz von Schöpfer und die Schöpfung drehen. Doch eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheitert schon im Ansatz – weil der Fokus eben dauerhaft auf der visuellen Ebene liegt. Viel zu sehr hält sich der Regisseur mit holprigen Onelinern auf. Die ständigen Dialogwitze und die kleinen Spielereien unter den Charakteren passen nicht wirklich in das Gesamtbild des Films: Es zeigt aber Scotts Intention: Es soll eine möglichst große Publikumsmasse begeistert werden. Dass Scott dabei jegliche Auseinandersetzung mit den Themen Mensch und Maschine, Schöpfer und Schöpfung zertritt, merkt er dabei gar nicht. Bestes Beispiel dafür ist ein Dialog zwischen Idris Elba, der als cooler Raumpilot Janek auf die unterkühlte Meredith, gespielt von Charlize Theron, trifft. Janek spielt mit seiner richtungsweisenden Frage "Sind sie auch ein Roboter?" auf den kalkulierten Charakter der zwielichten Hauptfigur an und trifft damit den Nerv der Konflikte und doppelbödigen Spielchen hinter der Fassade der harmonierenden Crew. Endlich haben Scotts Dialoge etwas wie Biss und Reife. Doch Therons lässiger Konter – der an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll - macht die Stimmung wieder zu Nichte, auch wenn die Lacher im Publikum groß sein werden. Scott versucht seinen Film in den Stil der Zeit zu bringen, vergisst dabei aber, dass der größte Teil seines Publikums ganz andere Dinge von ihm erwartet hat.

Während Scott sich im ersten Drittel viel Zeit nimmt, um in seine Geschichte einzuführen verhaspelt er sich zum Ende hin immer mehr. Es passiert nicht häufig in der Filmbranche, aber "Prometheus" hätten weitere 20 Minuten – die dann wahrscheinlich im Directors' Cut erscheinen – sehr gut getan. So wirken die Szenen, in denen schließlich die Post abgeht, wüst zusammengestellt, überschlagend in den Ereignissen und nicht richtig ausbalanciert. Auch wenn Scott sein Tempo dann immer weiter anzieht und mit großangelegten Ekeleien auch für genug Horror sorgt, bleibt bei all den 3D-Gemetzel kaum ein ergreifendes Bild im Gedächtnis des Zuschauers.
Der ewige und nicht abbrechende 3D-Hype wird für viele Zuschauer generell das wohl größte Problem sein, der wie auch bei anderen Filmen nach einigen Minuten feststellen muss, dass sich das Auge an das Bild gewöhnt hat, wodurch der Effekt verfliegt. Neben der Glanzlosigkeit der matten Farben ist es einfach die Überflüssigkeit der Technologie, die als Stilmittel einfach keinen Reizt hat. So kann man sich gewiss sein: "Prometheus" in der dritten Dimension ist kein Muss.

Fazit: Wenn man Avatar einen grauen Filter überzieht: Eigentlich hatte der Zuschauer von Ridley Scott ein raffiniertes Filet erwartet – bekommt aber nur ein sehr gut gemachtes Schnitzel. Und das schmeckt eben auch. Aber nicht jedem.




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