VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der dunkle Turm
Der dunkle Turm
© The Dark Tower and all associated characters & 2017 MRC. The Dark Tower, the movie 2017 CPII and MRC. All rights reserved.

Kritik: Der dunkle Turm (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Literaturverfilmung ist, gelinde gesagt, ein gewagtes Unterfangen. Mehr als 30 Jahre hat Autor Stephen King an seinem Opus Magnum geschrieben, das acht Romane auf Tausenden Seiten umfasst. Solch ein Mammutwerk bringt man nicht einfach im Handumdrehen in die Kinos. Seit 2007 liefen die ersten Planungen für eine Leinwandadaption. Doch zunächst warfen die "Lost"-Macher J. J. Abrams, Damon Lindelof und Carlton Cuse nach jahrelanger Vorarbeit das Handtuch, dann Ron Howard als Regisseur, der nun nur noch als Produzent fungiert. Die Filmstudios wechselten ebenso wie die Drehbuchversionen. Mal waren sieben Kinofilme vorgesehen, dann eine Trilogie in Kombination mit einer Fernsehserie. Dass letztlich nur ein einziger Film herausgekommen ist – auch wenn eine daran anschließende Serie weiterhin im Gespräch bleibt – ist mehr als bedauerlich, wird es doch weder dem Werk noch dessen Fans gerecht.

Das geht selbstredend auf Kosten der Vielfalt. Freunde der Vorlage werden unzählige Geschichten und Charaktere schmerzlich vermissen. Begreift man "Der dunkle Turm" jedoch als einen Film, der sich vornehmlich an Zuschauer richtet, die Stephen Kings Bücher nicht kennen, funktioniert er mit ein paar Abstrichen erstaunlich gut. Selbst für eingefleischte King-Jünger hat diese Beschränkung auf das Wesentliche ihren Reiz. Schließlich neigt der Großmeister des Horrors allzu gern, auch beim "Dunklen Turm", zur ausschweifenden und dadurch ermüdenden Erzählung.

Regisseur Nikolaj Arcel hat bereits mit seinen Drehbüchern für "Verblendung" (2009), "Erbarmen" (2013) und "Erlösung" (2016) düstere Literatur kinotauglich aufbereitet. Und auch "Der dunkle Turm" kann sich sehen lassen. Zu viel, gar überflüssig ist an der Kinoversion zumindest nichts. Eher das Gegenteil ist der Fall. Denn mit 95 Minuten – man traut es sich angesichts unnötig überlanger Superheldenfilme gar nicht zu schreiben – ist "Der dunkle Turm" deutlich zu kurz geraten.

Durch seine Konzentration auf Jake Chambers (Tom Taylor) führt das Drehbuch zwar geschickt in den komplexen Kosmos aus Parallelwelten ein, ohne das unbeleckte Publikum zu verwirren. Doch mit Jakes Übertritt in die Mittwelt erfolgt ein radikaler Bruch. Das bis dahin gemäßigte Erzähltempo, das viel zur Charakterentwicklung und zur bis dahin dichten Atmosphäre beiträgt, gerät zusehends außer Atem.

Darunter leidet nicht nur die psychologische Tiefe neuer Figuren, sondern auch Jakes Verhältnis zum Revolvermann Roland (Idris Elba). So intensiv wie in der Vorlage wird deren Beziehung nie. Dementsprechend fällt das Mitfiebern schwer, egal wie überzeugend Action und Spezialeffekte, egal wie überwältigend die Aufnahmen auch sein mögen. An den erstklassigen Schauspielern liegt das definitiv nicht. Sie hätten schlicht mehr Zeit verdient gehabt. Mehr wäre hier tatsächlich mehr gewesen.

Fazit: Regisseur und Koautor Nikolaj Arcel hat sich mit der Verfilmung von Stephen Kings epischem Romanzyklus "Der dunkle Turm" ordentlich verhoben. Das liegt allerdings nicht an der spannenden Geschichte, der teils atemberaubenden Action und den erstklassigen Schauspielern. Arcels Hauptproblem ist ein viel zu gehetztes Erzähltempo aufgrund eines zu dünnen Drehbuchs, das seinen Figuren kaum Zeit für eine Entwicklung lässt, worunter letztlich auch die Atmosphäre leidet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.