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Kritik: Selma (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vor allem in den USA hat das unter anderem von Oprah Winfrey produzierte Politdrama "Selma" bereits für Debatten gesorgt. Neben der Kontroverse um die ausgebliebenden Oscar-Nominierungen für den Hauptdarsteller David Oyelowo sowie die Regisseurin Ava DuVernay, stand in erster Linie die Darstellung historischer Fakten in der Kritik. So wird von Historikern beispielsweise bemängelt, dass Präsident Lyndon Johnson im Film völlig entgegen seiner wirklichen Absichten und Handlungen porträtiert wird. Als Geschichtslektion ist "Selma" also mit Vorsicht zu genießen, verkürzt und verdichtet der Film doch eine sich über die Jahre erstreckende und anbahnende Geschichte auf knappe zwei Stunden Laufzeit.

Dass diese zwei Stunden recht kurzweilig sind, liegt gleichermaßen an der aufwendigen Produktion wie an dem dynamischen Drehbuch, der wuchtigen Inszenierung und nicht zuletzt der hochkarätigen Besetzung. "Selma" scheint mit seiner handwerklichen Perfektion wie gemacht für die Academy Awards und da verwundert es tatsächlich ein wenig, dass das Drama lediglich eine Nominierung für den besten Film und eine weitere für den besten Song verzeichnen kann.

Aber die Stärken des Films bilden doch zugleich auch seinen Schwachpunkt, denn bei aller aufgebrachten Energie und behaupteter Relevanz, erweist sich "Selma" letztlich als äußerst formelhaftes Kunststück, wie man es in den letzten Jahren schon oft im Kino gesehen hat. Mit erprobten Mitteln und recht selbstzufrieden blickt DuVernay hier zurück auf vergangene Geschichte und schafft es dabei bloß oberflächlich an heutige Zeiten anzuknüpfen oder eine reizvolle Haltung gegenüber ihrem Sujet einzunehmen. So verkommt etwa Martin Luther King, der ein durchaus unbequemerer und radikalerer Aktivist war, als in "Selma" gezeigt wird, zu einem reinen Stichwortgeber im konservativen Unterhaltungsimperium à la Oprah Winfrey.

Fazit: Ebenso wuchtig wie formelhaft erzählt "Selma" von einem historischen Moment der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Als Unterhaltung für konservative Gemüter ist der Film dabei allerdings besser geeignet denn als fundierte Geschichtslektion oder aufrüttelndes Zeitzeugnis.




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