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Edge of Tomorrow
Edge of Tomorrow
© Warner Bros.

Kritik: Edge of Tomorrow (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Edge of Tomorrow" ist die Adaption des Romans "All You Need Is Kill" von Hiroshi Sakurazaka für die große Leinwand. Der Film von Regisseur Doug Liman bedient sich ganz ungeniert im Hollywoodfilm-Bausatzkasten der Neunziger Jahre. Hier das Storygrundgerüst aus "...und täglich grüßt das Murmeltier" (1993); dort die Ästhetik und das Setting aus "Starship-Troopers" (1997). Hinzu kommt eine kräftige Portion an Nazi-Anspielungen – die passen irgendwie in jeden Kriegsfilm rein -, bevor das Ganze noch schnell mit einem kräftigen Schuss CGI und einem Überguss aus 3D dem aktuellen Zeitgeschmack angepasst wird. Doch so dumpf das auch klingen mag, so gut geht das schlichte Konzept in diesem Fall tatsächlich auf. Anscheinend war es hier wirklich einmal von Vorteil, das gleich eine ganze Reihe an Drehbuchautoren an dem Ausgangsmaterial herumgeknetet hat. Das Ergebnis bleibt zwar filmisches Fastfood, entspricht jedoch eher dem, was es in einem exquisiten Edelburger-Restaurant, als in einer der üblichen Burger-Ketten zu speisen gibt. "Edge of Tomorrow" ist immer wieder ein wenig neben der Spur und unterläuft geschickt einige als sicher angenommene Erwartungen.

Es beginnt bereits damit, dass der ewige Saubermann Tom Cruise wohl zum ersten Mal in seinem angestammten Heimatgenre – dem Actionfilm – nicht als strahlender Held auftritt. Noch in seinem letzten Film, dem stylischen SciFi-Spektakel "Oblivion" (2013), war Cruise von Anbeginn an die Verkörperung des Guten, dem ungerechter Weise böse mitgespielt wird. In "Edge of Tomorrow" wird Cruise hingegen als schleimiger Werbefritze und als feiger Drückeberger eingeführt, dem man sein folgendes Schicksal voller Schadenfreude zu einem Teil sogar gönnt. Köstlich ist, wie dieser Cage sich bis zum letzten Augenblick mittels Werber-Rhetorik vor dem Kampfeinsatz zu drücken versucht. Gänzlich gegen den Strich gebürstet wirkt auch, wie hilflos diese alliierten Kampfverbände dem übermächtigen Feind ausgeliefert sind. Ein Großteil der kernigen Kämpfer segnet bereits das Zeitliche, bevor sie überhaupt feindlichen Boden betreten. Und diejenigen, die es tatsächlich schaffen, wirken in ihren schweren Kampfgerüsten, wie unförmige Käfer im Kampf gegen einen höchst agilen Feind. Diese Krieger sind keine heroischen Helden, sondern wirken eher wie mittelalterliche Ritter in schwerer Rüstung inmitten eines modernen Schlachtfeldes mitsamt seiner erschreckend hoch entwickelten Kampftechnologie. Cage spielt dabei die Rolle eines Don Quichotte, der jedoch mitnichten nur gegen harmlose Windmühlen kämpft. Diese Aliens sind unberechenbare Tentakel-Monster, die erst aus dem Nichts zu kommen scheinen und dann sofort blitzschnell sich in alle Richtungen windend scheinbar überall auf einmal sind.

Hier zeigt sich der Geist von Paul Verhoevens bitterbös-sarkastischem SciFi-Trash-Meisterwerk "Starship Troupers". Doch so, wie Verhoevens extrem brutale und blutrünstige Gewalt in "Edge of Tomorrow" einer weit harmloseren – weil jugendfreien – Variante gewichen ist, so wurde auch der ätzende Sarkasmus des strittigen Niederländers durch eine mehr unterschwellige Ironie ersetzt. Diese steht "Edge of Tomorrow" jedoch gut zu Gesicht und hebt den Film wohltuend von reinen Retorten-Produkten von Hollywoods Film-Fließband ab.

Fazit: "Edge of Tomorrow" ist ein sehr unterhaltsamer SciFi-Kracher mit Tom Cruise in 3D. Der Film bringt zwar nichts wirklich Neues, besitzt dafür jedoch das gewisse Quäntchen an Charme und an Humor, das ihn wohltuend von vielen anderen Blockbustern ähnlicher Bauart absetzt.





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