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Kritik: Cosmopolis (2011)


Cronenberg auf Valium: "Cosmopolis" ist ein seeehr langsames, gefühlsarmes Kammerspiel auf Rädern. Robert Pattinson erscheint als Börsenspekulant Eric Packer noch emotionsloser, als Vampirjüngling Edward – wobei das hier so sein soll: Er spielt einen von der Welt abgeschotteten und entfremdeten Milliardär, der sich in einer Limousine durch New York kutschieren lässt, um sich die Haare schneiden zu lassen. Unterwegs hält er in seiner Luxuskarosse Hof und empfängt dabei unter anderem einen Arzt, der seine Prostata untersucht, sowie seine Cheftheoretikerin, die für ihn über Finanzmärkte philosophiert. Und dann sind da noch Anarchisten in Rattenkostümen, ein Sufi-Rapper, ein beiläufiger Mord und ein Tortenwerfer...
Gemäß der Romanvorlage von Don DeLillo packt David Cronenberg seinen Film ganz schön voll. Voll mit Worten, versteht sich – handlungsmäßig passiert nicht viel, während die stark stilisierten Dialoge im Prinzip aus einer Reihe von Statements oder Bonmots über die Finanzwelt des 21. Jahrhunderts bestehen. Das künstlich-futuristische New York - Cosmopolis eben - untermalt den abstrakten Charakter. Ganz so intelligent, wie er sich selbst offensichtlich hält, ist der Film jedoch nicht geraten. Zu viele vermeintliche Offenbarungen sind genauer betrachtet Geschwafel. Daher flimmern die wirklich prägnanten Ideen nur schwach im intellektuellen Nebel auf. Was nicht unbedingt schlecht ist: Packers Odyssee soll schließlich eine Sinnsuche sein.
Pattinson spielt seinen Part adäquat – wie gesagt, Packer schmeißt emotional nicht gerade mit Konfetti um sich – während die wenigen echten Gefühle des Filmes anderen vorbehalten sind, Paul Giamatti beispielsweise. In der regungsarmen Erzählweise liegt allerdings auch grundliegendes Problem des Filmes: Genau wie Eric Packer fehlt ihm eine Seele. So ist er als atmosphärisch präzise Umsetzung des Buches zwar gelungen, vermag aber nicht zu fesseln.




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