VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Silver Linnings - Wenn du mir, dann ich dir
Silver Linnings - Wenn du mir, dann ich dir
© Senator Film

Kritik: Silver Linings (2013)


Wie bereits "The Fighter" zeichnet sich "Silver Linings – Wenn du mir, dann ich dir" durch eine sorgfältige Charakterzeichnung und hervorragende Schauspieler aus. Bradley Cooper überrascht als bipolarer Pat, der sich anfangs weigert seine Medikamente zu nehmen und allein durch sein Hochzeitslied ("My Cherie Amour" von Stevie Wonder) die Kontrolle über sich verliert. Er lässt den Grat zwischen Ruhe und Wut, zwischen Hochgefühl und Traurigkeit erkennen, auf dem Pat permanent wandelt. Wirkt er anfangs – nach seiner Therapie – wie ein liebenswert-chaotischer Verlierer, offenbart erst eine Rückblende das Ausmaß von Pats Instabilität – und Selbstbetrug. Dadurch schwankt die Sympathie mit dieser Figur, aber Bradley Cooper gelingt es, dass der Zuschauer dennoch stets auf seiner Seite steht. Als depressive Tiffany zeigt zeigt Jennifer Lawrence nach "Winter’s Bone" abermals eine außerordentliche schauspielerische Leistung. Tiffany hat ihren Mann verloren, eine "Schlampen-Phase" durchlebt, verschiedene Medikamente ausprobiert und sagt jedem direkt die Wahrheit. Dadurch bringt sie in Pats Leben und Familie die Aufrichtigkeit, die dort dringend benötigt wird. Sie ist eine junge Frau, die schwierige Zeiten durchgestanden hat – und wird von Jennifer Lawrence sehr natürlich gespielt. Und als Paar sind Tiffany und Pat so unbedarft, chaotisch und liebenswert, dass man ihnen unweigerlich Glück wünscht.

Neben Pats Verhältnis zu Tiffany spielt die Beziehung zu seinen Eltern eine wichtige Rolle in dem Film. Auch sie sind nicht vom Glück verfolgt: Pats Vater (Robert de Niro) hat seinen Job mitsamt Pension verloren und verdingt sich nun als Buchmacher. Auf diese Weise will er ausreichend Geld verdienen, um ein eigenes Restaurant zu eröffnen – und er flüchtet sich in einen abenteuerlichen Aberglauben, in dem die richtige Position der Fernbedienungen sowie Pats Aufenthaltsorte für den Erfolg der Philadelphia Eagles entscheidend sind. Das ist anfangs komisch, entlarvt aber zudem auch die Exzentrik des Umfelds, in dem Pat groß geworden ist. Dadurch erscheint Tiffanys Bemerkung, dass sie vielleicht gar nicht verrückt seien, sondern nur mehr sehen als die anderen, durchaus glaubwürdig.

"Silver Linings – Wenn du mir, dann ich dir" vereint das Talent David O. Russell für komödiantische ("I Heart Huckabees") und authentische ("The Fighter") Filme und ist liebenswerte und charmante Tragikomödie. Sein Drehbuch hält einige brillante Dialoge bereit und der Film überzeugt über weite Strecken durch seinen besonderen Stil, dem direkten und wahnwitzigen Humor und die Unaufregtheit, mit der die Geschichte erzählt wird. Dabei ist zwar stets zu erkennen, dass sich der Film auf konventionellen Bahnen bewegt, allerdings bietet der Film so viel Originalität, dass sie kaum störend auffallen. Und letztlich sorgen sie dann auch für das Ende, das zwar vorhersehbar, aber dennoch wünschenswert ist.

Fazit: "Silver Linings – Wenn du mir, dann ich dir" ist eine sehr gute Tragikomödie, die dank bemerkenswerter Schauspieler und einer über weite Strecken guten Inszenierung auf ganzer Linie überzeugt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.