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Der Butler - Hauptplakat
Der Butler - Hauptplakat
© Prokino

Kritik: Der Butler (2013)


Inspiriert von dem Leben des Butlers Eugene Allen erzählt Regisseur Lee Daniels ("Precious", "The Paperboy") nach einem Drehbuch von Danny Strong die Geschichte von Cecil Gaines. Die Geschichte des Butlers bietet sehr viel Stoff für einen Film, den Lee Daniels insbesondere durch episodisches Erzählen komprimiert. Dadurch wird vor allem der Anfang fast ein Zeitraffer, in dem Cecil im hohen Tempo die Wandlung vom Baumwollpflücker zum Butler durchläuft. Auch die historischen Ereignisse werden mitunter sehr kurz abgehandelt. Weitaus mehr überzeugen die kleineren Momente des Films: Wenn Cecil nicht aufgibt, nach gleicher Bezahlung und Beförderungsbedingung des schwarzen Hauspersonals zu fragen oder sein Alltag hinter dem Servieren des Tees im Oval Office gezeigt wird, ist der Eindruck weitaus unmittelbarer.

Allein schon ein Blick auf die Besetzungsliste zeigt, dass Lee Daniels einen großen Film inszenieren wollte. Doch seine Wahl ist nicht immer aufgegangen: Oprah Winfrey changiert als alkoholkranke Ehefrau zwischen guten und schlechten Szenen, Alan Rickman überzeugt als überzeichneter Ronald Regan, auch Jane Fonda hat als Nancy Regan einen kurzen, aber starken Auftritt. Hält sich James Marsden als John F. Kennedy noch angenehm zurück, zeigt John Cusack als Nixon sein übliches verschwitzt-schmieriges Grimassieren. Liev Schreiber hat die undankbare Aufgabe, Lyndon B. Johnson auf der Toilette zu spielen, und lässt den Präsidenten zur Karikatur werden, während Robin Williams als Dwight D. Eisenhower betont reduziert agiert. Doch so namhaft die Besetzung auch ist, sie wird durch den episodischen Erzählverlauf oft zu einem "Erkenn den Star in dieser Szene".

Dennoch ist "The Butler" ein sehenswerter und berührender Film geworden, dessen Mechanismen zwar leicht zu durchschauen sind, aber doch funktionieren. Das liegt in erster Linie an dem fabelhafte Forest Whitaker, der Cecil Gaines angenehm zurückhaltend spielt und seine Erfahrungen sowie Veränderungen glaubwürdig verkörpert. Wenn Cecil Gaines am Ende schließlich erlebt, dass ein schwarzer Mann zum Präsidenten der USA gewählt wird, ist die Unfassbarkeit dieses Moments und dessen Bedeutung für Cecil trotz der pathetischen Schilderung emotional nachzuspüren. Darüber hinaus ragt David Oyolewo aus der Besetzung heraus. Er spielt Cecil Gaines ältesten Sohn Louis vom Teenager bis zum Mittvierzigjährigen und lässt dessen innere Wandlung und Reifeprozess vom Freedom Rider zum Black Panther und schließlich Politiker nicht nur äußerlich durch Make-up und Kleidung, sondern auch innerlich deutlich werden.

Ohnehin ist "Der Butler" in den Szenen zwischen Vater und Sohn besonders stark. Hier kollidieren nicht nur zwei Generationen, sondern zwei fundamentale Lebensweisen. Während Cecil früh gelernt hat, dass er nicht auffallen darf, um zu überleben, kämpft sein Sohn darum, gesehen zu werden – von der Gesellschaft, aber auch von seinem Vater. Die Perspektive des Sohnes auf die gesamte Geschichte wäre interessanter gewesen, so dass es schade ist, dass sich Lee Daniels an die Konventionen eines Biopic hält und die Geschichte linear und aus Sicht des Vaters erzählt. Doch auch hier gibt es zweifellos starke Momente, beispielweise eine großartige Montage, in der Lee Daniels Louis' Verhaftung während eines Sit-ins in Alabama und Gaines' tägliche Routine gegeneinandersetzt.

Fazit: "Der Butler" ist ein sehr amerikanischer und sentimentaler Film, der trotz seiner Konventionalität rührt und unterhält.




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