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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Teaserplakat 1
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Teaserplakat 1
© 20th Century Fox

Kritik: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" erzählt die Geschichte eines sympathischen Verlierertypens, der seine eigenen Träume vernachlässigt hat, um nach dem Tod seines Vaters für seine Mutter und Schwester da zu sein. Deshalb hat er sich in seinen Tagträumen eingerichtet. Dann gerät er jedoch in die Situation, dass er das wahre Leben über seine Vorstellungen stellen muss – und wird zu dem Mann, der immer in ihm steckte. Das ist die einfache und liebenswürdige Geschichte, die von Ben Stiller als schöner Wohlfühlfilm inszeniert wird.

Insbesondere die Kameraarbeit von Stuart Dryburgh ("Das Piano") und der Schnitt von Greg Hayden ("Tropic Thunder") sorgen für reizvolle Übergänge zwischen Walters Leben und Träumen, die dadurch vollkommen natürlich erscheinen. Außerdem überzeugt auch die Besetzung: Ben Stiller zeigt als netter Walter Mitty, der unsicher, aber herzensgut ist, eine zurückhaltendere Seite; Kristen Wiig spielt nach "Brautalarm" abermals eine lebensechte Frau, die nach einer gescheiterten Ehe auf eine neue Liebe hofft. Shirley MacLaine passt in die Rolle der resoluten Mutter und Kathryn Hahn überzeugt in ihrer kleinen Rolle ebenso wie Ólafur Darrí Ólafson als Helikopter-Pilot und Adam Scott als Manager. Zusammen mit gutem Soundtrack entsteht daher eine entspannte Atmosphäre, die es dem Zuschauer erlaubt, in die wohlige Welt des Films einzutauchen.

Basierend auf einer Kurzgeschichte von James Thurber aus dem Jahr 1939 und als Remake des Films "Das Doppelleben des Walter Mitty" verlagert Ben Stiller seine Geschichte in die Gegenwart und hier überzeugt die Idee, dass Walter im Fotoarchiv des legendären "Life"-Magazins arbeitet. Nahezu jeder berühmte Fotograf hat für "Life" gearbeitet, viele legendäre Bilder sind dort erschienen und es will von der Heimat aus einen Blick auf die Welt vermitteln. Dadurch ermöglicht es die Teilhabe am Weltgeschehen, ohne direkt vor Ort oder involviert zu sein, vielmehr blickt man vermittelt und von außen auf die Ereignisse – so wie Walter. Nun muss Walter aber lernen, dass die aktive Teilhabe am Leben den Bildern und Träumen überlegen ist. Diese Entwicklung verläuft leider in recht vorhersehbaren Bahnen. Sämtliche Wendungen werden durch das bewusste Fokussieren der Kamera von relevanten Gegenständen lange vorher eingeläutet, auch die Sympathien bei den Figuren sind klar verteilt. Dadurch fehlen dem Film Überraschungen und Reibungspunkte, so dass sein Erzählton einem netten Plaudern gleicht – unterhaltsam und charmant. Die deutlicheren Komikeinlagen reißen einen daher schon fast aus dieser Gemütlichkeit heraus.

Leider konnte Regisseur Ben Stiller nicht darauf verzichten, Seans Foto – die Quintessenz – auch zu zeigen. Es ist fraglos ein schönes Bild, aber hier wäre es besser gewesen, das Geheimnis zu bewahren und es dem Zuschauer zu überlassen, was ein Leben ausmacht. Denn neben diesem Foto liefert der Film mit seinen kleinen Einfällen wie beispielsweise die Traumsequenz, in der Kristen Wiig "Space Oddity" singt oder Walter, der im Himalaya Fussball spielt, die schöne Möglichkeit, dass es diese kleinen Momente sind, die den Sinn des Lebens ausmachen.

Fazit: Ben Stiller hat mit einer guten Besetzung, einem tollen Soundtrack und guter Kameraarbeit einen schönen Film inszeniert, der letztlich in einer zu einfachen Lebensphilosophie mündet anstatt sich auf die wahre Bedeutung der kleinen Momente zu besinnen.




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