VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der Scharfschütze -  Bradley Cooper
Der Scharfschütze - Bradley Cooper
© Warner Bros.

Kritik: American Sniper (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Clint Eastwoods Film über einen amerikanischen Rekord-Scharfschützen im Irakkrieg lockt in den USA ein Millionenpublikum in die Kinos, als wäre er Balsam für die Seele einer von ihren militärischen Einsätzen belasteten Nation. Der harte, geradlinige Film, der an der Front nichts beschönigt und seine Hauptfigur zu sehr als einfachen Mann schildert, um ihn zu verklären, lässt dem Zuschauer viel Raum für eigene Interpretationen. Eastwood schildert einerseits den vorbildlichen Soldaten Chris Kyle mit viel Sympathie, so dass es immer wieder scheint, als mache er sich dessen Weltsicht zu eigen. Andererseits aber stellt er auch deutlich heraus, dass die Männer psychisch versehrt heimkehren.

Auf ein deutsches Publikum mag der krude amerikanische Patriotismus, der sich in den Haltungen der Marines und Navy SEALs, aber auch in ihrem Umfeld daheim manifestiert, befremdlich wirken. Das aber macht Eastwoods Werk nicht zu einem schlechten Film. Vielmehr gelingt es dem Regisseur, den Krieg gegen den Terror ohne Effektheischerei als Inferno zu schildern, zum Beispiel als Chris und seine Truppe ausgerechnet in einem Sandsturm unter heftigen Beschuss geraten. Mindestens so interessant aber ist der Charakter im Zentrum der Geschichte, die auf der gleichnamigen Autobiografie Chris Kyles basiert. Der Mann erscheint als typischer Patriot aus dem ländlichen Amerika, der bereit ist, für die Heimat und seine Kameraden auf dem Schlachtfeld zu sterben. Skrupel und Zweifel erlaubt er sich nicht, schon um sich seine Kampfkraft zu erhalten. Seine Selbstsicherheit hat etwas Beängstigendes, zumal sie keine Folge ausführlichen Nachdenkens ist.

Bradley Cooper ist als Muskelpaket zunächst kaum wiederzuerkennen. Er spielt einen Charakter, der beeindruckt und zu dem man auf Distanz bleibt. Selbst seine Beziehung zu Taya ist so chauvinistisch, dass einen der Gedanke frösteln lässt, es handele sich hier weniger um Fiktion, als um eine auf weitverbreiteten Werten basierende Ehe. Das Interessante an diesem Film ist, dass er Chris Kyle zur Identifikationsfigur für unzählige Soldaten aufbaut, damit sie auf ihre Leistung stolz sein können. Und dass gleichzeitig im Hintergrund unangenehme Fragen aufscheinen: zum Beispiel, wie zeitgemäß das traditionelle amerikanische Selbstverständnis ist, dass ein Mann stets bereit sein muss, die Seinen, die Heimat und die Freiheit mit der Waffe zu verteidigen. Hier ist es der Grund dafür, dass sich gutgläubig-naive Menschen für einen Krieg irgendwo auf der Welt instrumentalisieren lassen, als Soldaten, die schießen und keine Fragen stellen.

Fazit: Clint Eastwoods Porträt des erfolgreichsten Scharfschützen in der Geschichte des US-Militärs zeichnet einen einfachen Mann und Patrioten, der im Irak-Krieg unzähligen Marines das Leben rettet, aber seelisch schwer belastet heimkehrt. Der geradlinige Film lässt am Beispiel dieses so unbeirrten Soldaten indirekt auch den Widersinn des Kriegs gegen den Terror aufscheinen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.