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Der Lieferheld - Unverhofft kommt oft
Der Lieferheld - Unverhofft kommt oft
© Constantin Film

Kritik: Der Lieferheld - Unverhofft kommt oft (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die frankokanadische Indie-Komödie "Starbuck" rund um einen verantwortungslosen, aber sympathischen Versager mit 533 Kindern avancierte 2011 nicht zuletzt wegen ihrer ungewöhnlichen Grundidee zu einem veritablen Publikumshit, der es ein Jahr später sogar auf die deutschen Leinwände schaffte. Angesichts des weltweiten Erfolgs stand recht schnell fest, dass es ein amerikanisches Remake geben würde, für das sich Ken Scott, der Drehbuchautor (Co-Autor: Martin Petit) und Regisseur des Originals, verpflichten ließ. Ein weichgespülter Neuaufguss, wie ihn Hollywood oft auf den Markt wirft, stand folglich nicht unbedingt zu befürchten. Dennoch fällt "Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft" (im Übrigen mal wieder ein Beweis für bemüht witzige deutsche Titelzusätze) genau in diese Kategorie und beschert Hauptdarsteller Vince Vaughn nach dem "Psycho"-Remake von 1998 bereits den zweiten Auftritt in einer eigentlich überflüssigen Neuverfilmung.

Auch wenn die US-Variante inhaltlich mit der Vorlage nahezu identisch ist, hinterlässt sie schon sehr früh einen schalen Beigeschmack. Routiniert, aber wenig inspiriert bebildert Scott das alltägliche Dilemma der Hauptfigur, um dann recht zügig zum eigentlich Konfliktfeld vorzustoßen. Hat sich David einmal entschieden, in das Leben seiner Kinder einzutauchen, tritt schließlich eine Rührseligkeit zu Tage, die den Film bis zum Schluss im Klammergriff halten wird. In einzelnen Episoden sucht der Protagonist einige seiner Kinder auf, erfährt von ihren Problemen und trägt entscheidend zu deren Lösung bei. Mögen ihn diese Aktionen menschlich auch noch so sehr aufwerten, wirken sie manches Mal doch allzu billig und unglaubwürdig. Etwa wenn er eine Tochter allein durch gutes Zureden quasi über Nacht von ihrer Drogensucht befreit.

Wie nicht anders zu erwarten, fühlt sich David mehr und mehr zu seinen Kindern hingezogen, entwickelt zum ersten Mal wirkliches Verantwortungsbewusstsein und eindeutige Vatergefühle. Da der Film diesen Umschwung oftmals übertrieben emotional ins Bild setzt, stellt sich mit zunehmender Dauer die Frage, warum David eigentlich weiter davor zurückschreckt, seine wahre Identität preiszugeben. Reichlich aufgesetzt wirkt in diesem Zusammenhang jedenfalls sein nur kurz angerissenes Schuldenproblem, das gegen Ende als zentrales Argument für die weitere Geheimhaltung und eine gerichtliche Auseinandersetzung herhalten muss. Ebenso vage bleibt der Subplot rund um Davids schwangere Freundin Emma. Dafür, dass er sie von seinen Vaterqualitäten überzeugen will, sind die beiden viel zu selten gemeinsam zu sehen. Stehen sie sich in einer Szene dann doch einmal gegenüber, kommen ihre Gespräche über Banalitäten nicht hinaus. Außerdem will sich zu keinem Zeitpunkt glaubhaft vermitteln, dass sie sich einmal geliebt haben müssen.

Während das Original noch mit einigem Charme und Witz punkten konnte, wirken die zumeist direkt übernommenen Gags in "Der Lieferheld" leider arg bemüht. Wirklich komisch ist nur der Nebenstrang rund um Davids besten Freund Brett, der mit seiner Rolle als Familienvater zu kämpfen hat und sich die Chance nicht nehmen lassen will, endlich einmal als Anwalt aufzutrumpfen. Im Großen und Ganzen plätschert das Geschehen ohne nennenswerte Überraschungen oder neue Ideen bis zum heimeligen Finale vor sich. Fielen die abschließenden Szenen schon in "Starbuck" äußerst süßlich aus, bekommen sie hier noch einmal den Hollywood-üblichen exzessiven Harmonieanstrich. Dass das große Wir-Gefühl an dieser Stelle beschworen wird, ist an sich nicht weiter verwerflich, derart kitschig und moralisierend stößt es dann aber doch sauer auf.

Was die US-Adaption zudem deutlich hinter die kanadische Variante zurückfallen lässt, ist das Spiel der Hauptdarsteller. So authentisch Vince Vaughn die Betroffenheitsmiene des sympathischen Losers auch aufzusetzen versteht, kann er seine Figur, anders als sein kanadisches Pendant Patrick Huard, nicht mit den nötigen Ecken und Kanten ausstatten. Allzu glatt erscheint seine Darbietung und mit ihr der ganze Film.

Fazit: Uninspiriertes US-Remake einer zumindest stellenweise pfiffigen kanadischen Komödie, das in nahezu jeder Hinsicht hinter dem Original zurückbleibt, obwohl dessen Regisseur und Drehbuchautor selbst Hand angelegt hat.




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