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Elser - Er hätte die Welt verändert
Elser - Er hätte die Welt verändert
© NFP marketing & distribution © Tobis Film

Kritik: Elser (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur Oliver Hirschbiegel widmet sich in "Elser" einem gescheiterten Hitler-Attentäter, der im Gegensatz zu General von Stauffenberg inzwischen weitestgehend vergessen wurde. Das mag auch daran liegen, dass Georg Elsner - anders als von Stauffenberg - ein einfacher Schreiner von der Schwäbischen Alp war. Trotzdem wäre Elsner um ein Haar sein tatsächlich ganz im Alleingang geplantes und durchgeführtes Attentat auf Hiltler geglückt. Hirschbiegel hatte bereits mit "Der Untergang" (2004) bewiesen, dass er sich auf die filmische Behandlung der NS-Zeit versteht.

Sein neuer NS-Film "Elser - Er hätte die Welt verändert" wechselt zwischen den in der Gegenwart spielenden Verhören und Rückblenden in Elsners Vergangenheit. Letztere zeigen zu Beginn eine gänzlich unbeschwertes Leben. Dieses wird jedoch später immer mehr von dem auch in Elsners Heimatdorf zunehmend dominanten Nationalsozialimus überschattet. Der Zuschauer erfährt, dass Elser ein Verhältnis zu der verheirateten Frau Elsa hatte. Nur die Person von Georg Elser und seine genaue Motivation, kommen dem Zuschauer in diesen Rückblenden niemals wirklich nahe.

Wirklich stark ist hingegen die kammerspielartige Handlung in der Filmgegenwart. Hier läuft Hirschbiegel zur Hochform auf. Wie bereits in "Der Untergang" arbeitet der Filmemacher hervorragend die klaustrophobische Beklemmung der Situation heraus. Dieser Teil ist auch der dramaturgisch weitaus interessantere. Während die Rückblenden die Form des bereits standartisierten deutschen Historiendramas zur NS-Zeit besitzen, zeigen die Verhörsituationen erneut, dass deutsche Filmemacher oft dann am besten sind, wenn sie klaustrophobische Kammerspiele inszenieren.

Das Besondere an diesen Verhören ist die Tatsache, dass sie einsetzen, nachdem Elsers Attentat bereits gescheitert ist. Nach herkömmlichen dramaturgischen Gesichtspunkten ist in dieser Situation also "bereits die Luft raus". Hinzu kommt, dass es ebenfalls bereits klar ist, dass Elser tatsächlich der Täter ist. Auch die Frage nach möglichen Mittätern wird im Prinzip relativ schnell geklärt. Trotzdem bleibt die Situation hochspannend, da sich zunehmend ein perfides Tauziehen zwischen den drei Hauptakteuren entwickelt: Elser will am liebsten überhaupt nichts verraten, Reichskriminaldirektor Arthur Nebe will einfach nur die Wahrheit herausbringen und Gestapo-Chef Heinrich Müller will selbst dann ein vollständiges Geständnis inklusie aller Mittäter haben, wenn es letztere tatsächlich nicht gibt. So entspinnt sich ein fatales Psychodrama, dessen seelische Härte und Grausamkeit sich auch in der - gerade für einen deutschen Film - extrem schonungslosen Darstellung der Foltermethoden und der entsprechenden Auswirkungen zeigt.

Fazit: Oliver Hirschbiegel verbindet in "Elser - Er hätte die Welt verändert" ein sehr konventionelles und wenig Aufschluss bietendes Historiendrama zur NS-Zeit mit einem packenden Psychodrama bei den Verhören nach Elsers Verhaftung.




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