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Tammy - Voll abgefahren
Tammy - Voll abgefahren
© Warner Bros.

Kritik: Tammy - Voll abgefahren (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Bislang hat sich Melissa McCarthy, die mit "Brautalarm" ihren Durchbruch auf der Leinwand feierte, vor allem einen Namen als hemmungslose Rampensau gemacht. Ob in "Voll abgezockt" oder "Taffe Mädels" – der weiche Kern ihrer Figuren wurde stets von einem lärmenden Auftreten überstrahlt. Die Roadmovie-Komödie "Tammy – Voll abgefahren" soll dieses Bild nun etwas geraderücken und legt daher mehr Gewicht auf die emotionalen Untiefen, die die Titelheldin durchschreiten muss. Wirklich lösen kann sich McCarthy, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Ben Falcone (gibt hier auch sein Regiedebüt) das Drehbuch verfasste, jedoch nicht von ihrem Image als naive, ständig fluchende Wuchtbrumme. Dafür springt der Film allzu willkürlich zwischen den Extremen hin und her.

Wie der flotte Einstieg unterstreicht, ist Tammy ein unberechenbares Energiebündel, das die fristlose Kündigung durch den kleinkarierten Chef (gespielt von Ehemann Falcone) nicht wortlos hinnehmen kann. Vielmehr lässt sich die Angestellte einer Fast-Food-Kette zu einer rüden, aber witzigen Schimpftirade hinreißen, die dem Vorgesetzten merklich Angst einjagt. Als ihr Auto kurz darauf schlapp macht und sie dann auch noch ihren Gatten in vertrauter Zweisamkeit mit einer Nachbarin erwischt, ist Tammys Selbstbewusstsein allerdings dahin. Zurück bleibt ein Häufchen Elend. Eine zutiefst verletzte Frau, die all die schrecklichen Demütigungen einfach nur noch hinter sich lassen will und deshalb einen Roadtrip mit ihrer aufgekratzten Oma Pearl (Susan Sarandon) unternimmt.

Leider gelingt es McCarthy und Falcone nicht, den emotionalen Reifeprozess der Hauptfigur glaubhaft und ausgewogen zu entwickeln. Im Gegenteil, platte Slapstick-Einlagen (nicht selten auf die Körperfülle der Darstellerin abzielend), zotige Dialoge und leise Momente gehen fließend ineinander über, ohne dass man aufrichtig mit der arg gebeutelten Tammy mitfühlen würde. Nicht anders verhält es sich im Fall ihrer Großmutter, deren Alkoholsucht immer mal wieder zur Sprache kommt, jedoch nie eine ernsthafte Vertiefung erfährt. Im Grunde ist ihre Abhängigkeit nur deshalb von Bedeutung, weil sie kurz vor dem übertrieben glückseligen Finale einen emotionalen Tiefpunkt heraufbeschwört und damit Tammys Wandlung beschleunigt.

Dummerweise lässt nicht nur die innere Entwicklung der Figuren zu wünschen übrig. Auch die Reise selbst gestaltet sich wenig mitreißend. Für ein Roadmovie, das laut deutschem Untertitel "voll abgefahren" sein soll, fehlt es der Handlung definitiv an Tempo und spannenden Wendungen. Im Gegensatz zum Genreklassiker "Thelma & Louise", der allein durch das Mitwirken Susan Sarandons ständig hervorscheint, entfalten die Turbulenzen, in die Tammy und Pearl nach und nach schlittern, keinen dramaturgischen Zug. Vieles wirkt beliebig zusammengewürfelt und fällt noch nicht einmal sonderlich komisch aus.

Fazit: Eine Roadmovie-Komödie, die viel zu schnell ins Stottern kommt und ihren deutschen Titelzusatz ad absurdum führt. "Voll abgefahren" ist hier herzlich wenig.




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