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Money Monster
Money Monster
© Sony Pictures

Kritik: Money Monster (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Oscar-Preisträgerin Jodie Foster verlagerte ihre Aktivitäten in den letzten Jahren vermehrt auf das Inszenieren von Filmen, anstatt selber vor der Kamera zu agieren. "Money Monster" ist ihre mittlerweile vierte Regie-Arbeit, nachdem sie schon 1991 im Alter von 29 Jahren mit dem Drama "Das Wunderkind Tate" (1991) ihr Debüt als Regisseurin feierte. "Money Monster" ist eine kritische Abrechnung mit den auf Erbarmungslosigkeit und Gewinnerzielung geeichten Börsenaktivitäten von Investoren, Finanzjongleuren und Brokern. Die Dreharbeiten begannen im Februar 2015 dann auch im Zentrum der internationalen Finanzwelt: New York City. Das Budget belief sich auf 27 Millionen Euro, neben George Clooney und Julia Roberts (ihr vierter gemeinsamer Film), übernahmen mit Dominic West ("300") und Jack O’Connell ("Unbroken") weitere bekannte Darsteller Rollen in dem Film.

Auch wenn so manches in Fosters Mischung aus Geiselnahme-Thriller, Familien-Drama und Wirtschafts-Kritik mit Reality-Doku-Touch nicht ganz stimmig und glaubwürdig ist (etwa Clooneys plötzliche Wandlung vom egozentrischen TV-Schönling zum Robin Hood der um ihr Geld gebrachten Mittelschicht), so ist "Money Monster" dennoch eine runde, gelungene Sache. Dies liegt in erster Linie daran, dass Foster zwei Dinge mit ihrem nur knapp 90-minütigen Film gelingen: er unterhält und übt Kritik bzw. prangert an. Ein Aspekt, den vor allem Filme aus der millionenschweren Traumfabrik nicht oft von sich behaupten können, geht es in nicht wenigen Popcorn-Blockbustern doch zuvorderst darum, das Publikum eher zu berieseln und zu unterhalten.

Nun gelingt dies Foster mit einigen überraschenden Wendungen, immer wieder eingestreuten, humoristischen Seitenhieben auf die Branche der Kapitalisten und einer der witzigsten Schimpfattacken einer enttäuschten Ehefrau in der jüngeren Filmgeschichte, zwar auch. Aber zu allererst geht es ihr darum, den vielen um ihr Geld geprellten Familien und Angehörigen der US-Mittelschicht, die im Rahmen der Immobilien- bzw. Finanzkrise ab 2008 in ihr Unglück gestürzt wurden, eine Stimme bzw. in diesem Fall ein Gesicht zu geben: das Gesicht von Kyle, eines absolut durchschnittlichen, eigentlich völlig harmlosen Mannes, der einfach nur für seine Familie sorgen und diese finanziell absichern will. Die Schuldigen sind schnell klar und ausgemacht: rücksichtslose, auf eigenen Erfolg gepolte und ohnehin schon millionenschwere Geschäftsmänner und Wirtschaftsbosse, die ihren Hals nicht voll kriegen können. Foster kommt in ihrem Film dabei sehr schnell zur Sache, viel Zeit lässt sie sich für die Einführung und Etablierung der Figuren nicht.

Dass der Film auch als Thriller durchaus seine Momente hat und für gehörig Spannung sorgt, liegt an der sich in Echtzeit abspielenden Handlung und der schnellen Schnittfolge. Zudem wechselt der Film kontinuierlich zwischen TV- und Kinobildern, was dem Geschehen auf der Leinwand, eine ganz eigene, rasante Dynamik verleiht.

Fazit: Trotz einiger unglaubwürdiger Figurenentwicklungen, ein ebenso unterhaltsamer wie spannender Echtzeit-Thriller, der Kritik an der Erbarmungslosigkeit von Großkapitalisten und Finanzjongleuren übt.




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