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Kritik: Ein Gauner & Gentleman (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ein Gauner & Gentleman" beruht auf dem Leben von Ausbruchskönig und Bankräuber Forrest Tucker, den es tatsächlich gab. Der Berufsverbrecher starb 2004 im Alter von 84 Jahren. Im Sommer vergangenen Jahres verkündete Schauspiel-Legende Redford, dass er in "Ein Gauner & Gentleman" ein letztes Mal auf der großen Leinwand zu sehen sein wird. Die Dreharbeiten fanden in den US-Bundesstaaten Ohio, Kentucky und Michigan unter der Regie von David Lowery statt. Lowery feierte seinen Durchbruch als Filmemacher 2017 mit dem Antikriegsdrama "The Yellow Birds".

Robert Redford hätte für seinen Abschied keinen besseren Film wählen können. Die Rolle des schlitzohrigen und aufgeweckten, meist in Anzug und Hut auftretenden Edel-Ganoven Tucker ist wie für ihn gemacht. Mit angenehmer Lässigkeit und stilvoller Eleganz verkörpert er einen Mann, für den der Reiz des Verbotenen und die Gefahr stets zum Leben dazugehörten. Dass Tucker bei seinen Raubzügen niemals jemanden ernsthaft verletzen wollte und dabei stets sehr zurückhaltend, eben ganz Gentleman-like, agierte, zeigen die Szenen der Banküberfälle. Nichts desto trotz handelte es sich bei Tucker um einen Kriminellen und Schwerverbrecher. Deshalb ist es gut, dass Lowery auch der "anderen Seite" Beachtung schenkt: den ihn jagenden Cops. Dies ist wichtig, da sonst die Sympathien für das Verbrecher -Schlitzohr auf Seiten des Zuschauers wohl ins Unermessliche steigen würden. Stattdessen wird auch Casey Affleck (als ungepflegt auftretender Schnüffler mit Schnauzer und Dreitagebart kaum wiederzuerkennen) ordentlich Screentime zugestanden. Die akribische Jagd auf Tucker erinnert hier und da sogar an 90er-Jahre-Action-Thriller wie "Heat" oder "Auf der Jagd".

Die zarte Liebesgeschichte zwischen Tucker und Jewel wirkt bisweilen etwas aufgesetzt. Diese Schwäche macht Lowery jedoch an anderer Stelle wett. Weil er nämlich in kurzen Dialogschnipseln oder Szenen geschickt und subtil immer wieder auf vergangene Karrierehöhepunkte und wegweisende Filme in Redfords beeindruckender Karriere verweist, verneigt er sich auf gekonnte Weise vor dem künstlerischen Schaffen Redfords.

Fazit: Schlitzohriges, charmantes Gauner- und Schelmenstück über einen Gentleman-Bankräuber, den niemand besser hätte spielen können als Robert Redford.




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