VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Die Entdeckung der Unendlichkeit
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Die Entdeckung der Unendlichkeit (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Man kennt das zutiefst traurige Bild, dass der berühmte Astrophysiker Stephen Haking heute abgibt: Der geniale Wissenschaftler ist verkrüppelt, an den Rollstuhl gefesselt und kann nur noch mittels eines Sprachcomputers kommunizieren. Doch seinen britischen Humor hat Haking trotz allem nicht verloren. Trocken stellt er fest, dass seine körperliche Behinderung ihm mehr Zeit zum Denken verschafft habe. Trotzdem stellt sich gleich ein leicht ungutes Gefühl ein, wenn "Die Entdeckung der Unendlichkeit" mit einer rasanten Fahrradfahrt des jungen Haking und eines Kommilitonen beginnt. Diese Demonstration eines ungebremsten jugendlichen Bewegungsdranges wirkt trotz aller äußerlichen Unbeschwertheit auf den wissenden Zuschauer fast wie eine dunkle Drohung.

Diese Szene steht exemplarisch für die Vorgehensweise von James Marshs ("Shadow dancer") gesamten Film. Die Verfilmung von Jane Hawkings autobiografischen Buch "Travelling to Infinity: My Life with Stephen Hawking" ist ein so traditionelles, wie effektives Biopic. Ohne große Schnörkel und mit großer Deutlichkeit werden wir Zeugen der wichtigsten Stationen in Stephen Hawkings Leben von seinen Anfängen in Cambridge bis fast in die gegenwärtige Zeit. Anstatt sich in modischen, aber oft unnötigen Zeitsprüngen zu verkünsteln, erzählt Marsh diese Story ganz straight in chronologischer Reihenfolge. Dies funktioniert erstaunlich gut, da die Geschichte von Stephen Hawkings Leben und von seiner Beziehung zu Jane an sich bereits reichlich spektakulär ist.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen entsprechend der ursprünglichen weiblichen Perspektive von Jane nicht so sehr die genialen Forschungen des berühmten Astrophysikers, sondern die menschliche Dimension seines Kampfes mit der Krankheit und den Schwierigkeiten, welche diese für die ihm nahestehenden Menschen mit sich bringt. Diese stark dramatische Orientierung geht vollkommen auf, da die beiden Hauptdarsteller perfekt in ihren Rollen sind. Eddie Redmayne ("Les Misérables") gelingt eine derart vollkommene Verwandlung in den Physiker, dass eine Oscarnominierung sicher erscheint. Der britische Mime sieht nicht nur wie Stephen Hawking aus, sondern schafft es auch sämtliche kleinen Ticks und körperlichen Einschränkungen durch seine Behinderung absolut glaubhaft zu vermitteln.

Ähnliches lässt sich zu dem Spiel von Felicity Jones ("The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro") sagen. Auch sie wird ihrer sehr anspruchsvollen Rolle absolut gerecht. Das Zusammenspiel der beiden Verliebten und späteren Ehepartner wirkt ganz echt. Neben ihrer reinen Liebesbeziehung wird anhand dieser beiden Personen zusätzlich das Thema des Widerstreits zwischen Wissenschaft und Religion verhandelt. Stephen Hawking ist zunächst ein knallharter Rationalist und Materialist, der beim Flirten Physik leicht scherzhaft als eine "Religion für Atheisten" beschreibt. Die Geisteswissenschaftlerin und regelmäßige Kirchgängerin Jane erscheint da als ein fast archetypischer Gegenpol. Auch in dieser Hinsicht ist es sehr interessant zu verfolgen, wie sich ihre Beziehung im Verlaufe der Jahre noch entwickeln wird.

Fazit: "Die Entdeckung der Unendlichkeit" ist ein klassisches Biopic, das eine außergewöhnliche Geschichte auf extrem berührende Weise erzählt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.