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Bad Santa 2
Bad Santa 2
© Universum Film © 24 Bilder

Kritik: Bad Santa 2 (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Als Independent-Regisseur Terry Zwigoff ("Crumb", "Ghost World") mit "Bad Santa" 2003 einen Abstecher in den Mainstream wagte, war das Ergebnis eine erfrischende Umkehrung des klassischen Weihnachtsfilms. Die vom Drehbuchduo Glenn Ficarra und John Requa erdachte Hauptfigur, der abgehalfterte, unflätige, ständig alkoholisierte und sexbesessene Hochstapler Willie, der als Kaufhaus-Weihnachtsmann sein Unwesen trieb, war eine Paraderolle für Billy Bob Thornton. Dessen Interpretation machte diesen Unmenschen zutiefst menschlich und auch irgendwie charmant. In der Fortsetzung ist dieser Typ hingegen unerträglich.

Das liegt in erster Linie an den Wechseln hinter der Kamera. Für Zwigoff, der seiner Komödie ein subversives, ja anarchisches Moment verlieh, hat Mark Waters ("Vampire Academy", "Mr. Poppers Pinguine") übernommen. Dessen Regie ist bestenfalls routiniert. Ficarra und Requa drehen längst ihre eigenen Filme ("Crazy, Stupid, Love.", "Whiskey Tango Foxtrot"). Und während deren Skript abseits der Zoten und derben Sprüche auch auf Situationskomik, eine verkorkste Liebesgeschichte, ein moralisches Gegengewicht und eine Entwicklung ihrer Hauptfigur setzte, hangeln sich ihre Nachfolger Shauna Cross und Johnny Rosenthal recht herzlos von einem verbalen Tiefschlag zum nächsten. Kaum ein Satz, in dem nicht eine Minderheit durch den Dreck gezogen wird. Das mag zwar dem Milieu der drei Ganoven entsprechen, ist aber kein bisschen komisch. Ganz im Gegenteil: Die Dialoge, die deutlich vulgärer als im ersten Teil ausfallen, sind viel zu leicht als pure Provokation zu erkennen.

Dabei fängt "Bad Santa 2" mit Willies missglücktem Selbstmordversuch gar nicht so schlecht an. Was danach zwischen all den verbalen Entgleisungen passiert, ist lediglich eine blasse Kopie des ersten Teils. Für ihren Beutezug haben sich die Kriminellen dieses Mal eine Wohltätigkeitsorganisation ausgeguckt. Und auch hier gibt es wieder zwielichtige Gegenspieler und eine attraktive Frau, die sich allesamt für Willies Aktivitäten interessieren. Doch weder Ryan Hastings und Jeff Skowron noch Christina Hendricks reichen auch nur annähernd an die Qualität und Spielfreude eines John Ritter, Bernie Mac und einer Lauren Graham aus dem Vorgänger heran. Zu ihrer Verteidigung ist festzuhalten, dass ihnen das Drehbuch dazu kaum Gelegenheit bietet.

Die bekommen Kathy Bates als Willies Mutter Sunny und Brett Kelly als minderbemittelte Waise Thurman Merman reichlich. Doch die beschädigte Mutter-Sohn-Beziehung ist von Beginn an sichtlich bemüht und stets mehr behauptet als glaubwürdig. Thurman Merman wiederum, der als naives Kind im ersten Teil wunderbar als moralischer Gegengenpol funktionierte, wirkt als Erwachsener mit demselben Intelligenzquotienten den kompletten Film über wie ein Fremdkörper. Im ersten Teil war es vor allem die erzwungene soziale Interaktion, mit der attraktiven Sue (Lauren Graham) ebenso wie mit dem naiven, aber liebenswerten Thurman, die Willie menschlich machte. Eben diese Menschlichkeit, das Herz geht der Fortsetzung größtenteils ab.

Fazit: Nach "Blair Witch" kommt mit "Bad Santa 2" die nächste Fortsetzung in die Kinos, die kein Mensch braucht. Mark Waters Komödie ist ein billiger und unnötiger Abklatsch mit einer dünnen Handlung, blassen Figuren und nur einer Handvoll gelungener Gags. Den Film prägt ein Humor, der sexistische und rassistische Beleidigungen mit gelungenen Pointen verwechselt.





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