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Kritik: Heidi (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Heidi" erschuf die Schriftstellerin Johanna Spyri im 19. Jahrhundert den bis heute erfolgreichsten deutschsprachigen Roman. Natürlich wurde die Geschichte des Mädchens aus den Schweizer Bergen auch in vielen Filmen verewigt: Zu den bekanntesten zählen die Schweizer Verfilmung des Jahres 1952 und die japanische Zeichentrickserie aus den 1970er Jahren. Die schweizerisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Alain Gsponer ("Das kleine Gespenst") geht mit der Figur, die einen Schweizer Mythos darstellt, verantwortlich um. Sie hält sich recht genau an die Romanvorlage und erweist auch dem Film von 1952 ihre Reverenz: Für den Dreh wurde das gleiche schweizerische Dorf gewählt wie damals.

Der Zauber der Geschichte wird sehr lebendig eingefangen. Die Freiheit, aber auch die Armut und Kargheit, die Heidi aus den Schweizer Bergen kennt, stehen in aufregendem Kontrast zu ihrer Zeit in der noblen Frankfurter Stadtvilla. Heidi, das Waisenmädchen, das keiner wollte, schenkt vielen Freude: dem verbitterten Almöhi, der einsamen Klara, dem armen Geißenpeter. Das allerbeste an dieser Neuverfilmung ist die unwiderstehliche Interpretation Heidis durch die kleine Schweizer Schauspielerin Anuk Steffen in ihrer ersten Rolle. Sie spricht mit landestypischem Akzent und ihr rollendes R - "Grossvatrr!" - prägen sich ebenso ein wie ihr strahlendes Lächeln und ihr Lockenschopf. Aber auch die anderen Figuren sind auffallend gut besetzt. Bruno Ganz verleiht dem Almöhi auch ohne viel Worte mürrisch-herzliche Glaubwürdigkeit, Klara und der Geißenpeter sind so, wie man sie sich vorstellt, und Katharina Schüttler gibt dem Fräulein Rottenmeier eine biestige Nervosität, die einen in den Bann schlägt. Solches Lob für die Figurenzeichnung und ihre Darstellung lässt sich bis in die kleinsten Nebenrollen fortsetzen.

Das Zeitkolorit des 19. Jahrhunderts mit den langen Kleidern, den Kutschen, den engen Frankfurter Gassen und der Armut im schweizerischen Dorf wird opulent eingefangen. Die Bergpanoramen und die Almwiesen, auf denen Heidi herumtollen kann, kommen natürlich auch groß heraus: Selbst ein Adler im Flug darf nicht fehlen. Speziell dieser Einfall wirkt jedoch etwas zu dick aufgetragen, wie auch die eine oder andere verbale oder pantomimische Zuspitzung zwar lustig wirkt, aber gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der Figuren stellenweise auf TV-Niveau drückt. Dennoch prägt sich diese behutsam aufgefrischte "Heidi"-Version als weitgehend gelungen, schön und sehenswert ein.

Fazit: Alain Gsponers Neuverfilmung des Buchklassikers von Johanna Spyri fängt den Geist der beliebten Geschichte überzeugend ein und frischt die Vorlage nur sehr behutsam auf. Die Charaktere sind hervorragend besetzt und mit der Heidi-Darstellerin Anuk Steffen gelingt dem Film ein regelrechter Coup. Auch die Naturaufnahmen und historisch geprägten Kulissen verleihen der sorgfältigen Inszenierung einen hohen Schauwert.




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