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Winnetous Sohn
Winnetous Sohn
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Winnetous Sohn (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Winnetous Sohn" beginnt wie ein echter Western. Zu Klängen, die an Ennio Morricone erinnern, knüpfen Cowboys einen Indianerhäuptling auf. Ihre fiesen Blicke fängt die Kamera in Nahaufnahmen ein. In letzter Sekunde durchtrennt ein Schuss den tödlichen Strick. Die Einstellungen sind bräunlich wie der Staub der Prärie. Bis plötzlich ein Handy klingelt. Als der aufgebrachte Regisseur (Uwe Ochsenknecht) die Probe zu den Karl-May-Festspielen unterbricht, wechselt auch das Filmformat. Die entsättigten weichen wärmeren Farben. Die echten Bäume und Felsen entpuppen sich als Pappkulissen. Es ist der erste Bruch mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und der erste Lacher in André Erkaus Familienkomödie.

Der Humor in "Winnetous Sohn" speist sich auch im weiteren Verlauf des Films aus dieser Kluft: Aus der Abweichung der überlebensgroßen Gesten des Westerngenres von den alltäglichen Problemen des zehnjährigen Max (Lorenzo Germeno), der diese Gesten in seinen Alltag überträgt. Mehr als einmal nimmt Max die Weisheiten der Indianer wörtlich. Dabei lacht der Zuschauer nicht nur über den blonden Jungen, der eher an ein schlecht verkleidetes Kind auf dem Karneval denn an einen tapferen Krieger erinnert. Er lacht vor allem mit Max über die Erwachsenen um ihn herum, die der Zehnjährige mit seinen altklugen Sprüchen ein ums andere Mal eines Besseren belehrt. Die edlen Werte der Indianer, die Max gleichermaßen unerschrocken und blauäugig hochhält, wie es nur ein Kind vermag, erinnern die Erwachsenen schmerzlich an ihre eigenen Träume und Tugenden, die sie im Lauf der Zeit aus den Augen verloren haben. Herrlich erfrischend dabei: die gnadenlose Selbstüberschätzung des Hauptcharakters.

Doch Regisseur André Erkau stellt seine Figuren zu keiner Zeit bloß. Seine jungen Protagonisten und deren Probleme nimmt Erkau genauso ernst wie Max seine Rolle als Häuptling. Das Spiel ist für Max und Morten eine Möglichkeit, mit ihren Alltagssorgen umzugehen. Gemessen an der Welt des Wilden Westens mögen diese gering erscheinen. Was bedeutet schon die Trennung der Eltern oder die Einsamkeit eines Außenseiters angesichts von Ehre, Blutsbrüderschaft und Mord und Totschlag? Im Leben zweier Zehnjähriger wiegen jedoch gerade diese vermeintlich kleinen Nöte schwer.

Dass man aus diesen Nöten gemeinsam wieder herauskommt, auch das zeigt "Winnetous Sohn". Es ist ein Film über Familie, Freundschaft und Zusammenhalt. Ein Film, der dem Publikum den Rat mit auf den Weg gibt, an seinen Träumen festzuhalten, auch wenn es dafür gegen den Strom schwimmen muss. Und ein Film, der sich dafür stark macht, sein Gegenüber nicht vorschnell zu beurteilen, sondern stets genauer hinzusehen. Denn wie schon die Indianer wussten: "Man muss mindestens eine Meile in den Mokassins eines anderen gelaufen sein, um ihn zu verstehen."

Fazit: "Winnetous Sohn" ist eine liebevolle Komödie, die eben jene Werte vermittelt, die ihr kleiner Held propagiert. Mit einem ruhigen Erzähltempo und wohl dosierten Spannungsmomenten richtet sich der Film eher an die jüngeren unter den jungen Zuschauern.




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