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The Greatest Showman
The Greatest Showman
© 20th Century Fox

Kritik: The Greatest Showman (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Greatest Showman" liefert Michael Gracey sein Leinwand-Regiedebüt. Dass der Australier bisher im Bereich der visuellen Effekte tätig war, ist seinem Werk deutlich anzumerken. Das Musical-Drama ist in erster Linie ein Fest fürs Auge – etwa wenn sich zu Beginn eine pompöse Show-Eröffnung in der Manege ereignet oder wenn ein Paar-Tanz zwischen Wäscheleinen auf einem nächtlichen New Yorker Hausdach unter einem überdimensionalen Vollmond eingefangen wird. Hinzu kommen die von dem "La La Land"-Duo Benj Pasek und Justin Paul geschriebenen Songs im Pop-Gewand, die auch für ein klangliches Vergnügen sorgen. Die Virtuosität von Baz Luhrmanns "Moulin Rouge!" (2001) wird dabei nicht erreicht, dennoch sind einige Nummern – darunter eine Bar-Szene und ein Duett am Trapez – durchaus gelungen.

Schwach fällt hingegen das Drehbuch von Jenny Bicks und Bill Condon ("Dreamgirls") aus. Die Geschichte von "Greatest Showman" basiert sehr lose auf dem Werdegang des Zirkus-Pioniers P.T. Barnum (1810-1891); der Film ist allerdings kein Biopic, sondern eine um fast alle Ecken und Kanten bereinigte Märchen-Version von dessen Tun, das zu Recht als umstritten gilt. Die Ausbeutung von Menschen und Tieren wird hier allenfalls gestreift; vielmehr geht es darum, eine uramerikanische Story from rags to riches zu schildern. Der Protagonist ist ein self-made man, dem nach seinem sozialen Aufstieg durch sein grenzenloses Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung wieder der Abstieg droht, bis er aus seinem Irrweg als geläuterter Held hervorgeht. Das ist formelhaft erzählt und wird nicht immer stimmig mit einem Loblied auf Diversität und Selbstermächtigung verbunden. Auch in diesen Passagen wissen die Songs (insbesondere "This Is Me") und deren Umsetzung zu gefallen; die Dramaturgie bleibt indes holprig.

Hugh Jackman versprüht in der Titelrolle (wie üblich) reichlich Charme und Spielfreude; sowohl stimmlich als auch tänzerisch macht er seine Sache überaus gut. Ebenso agiert seine Leinwandpartnerin Michelle Williams bezaubernd; gleichwohl ist es irritierend, dass der 1968 geborene Australier und die 1980 geborene US-Amerikanerin ein gleichaltriges Paar, welches sich seit der gemeinsamen Kindheit kennt, mimen. Neben dem souveränen Zac Efron und der starken Zendaya ("Spider-Man: Homecoming") hinterlässt nicht zuletzt Keala Settle als bärtige Lady Lettie Lutz mit ihrer intensiven Interpretation einen tiefen Eindruck.

Fazit: Ein audiovisueller Genuss dank gekonnter Inszenierung, eingängiger Songs und eines engagierten Ensembles. Dramaturgisch kann der Film, der auf kritische Töne weitgehend verzichtet, jedoch nicht überzeugen.




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