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Willkommen in Marwen
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© Universal Pictures International

Kritik: Willkommen in Marwen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Geschichte, die der neue Film von Robert Zemeckis erzählt, hat sich tatsächlich so zugetragen. Nachdem Hogancamp aus dem Koma erwachte musste er feststellen, dass er sich kaum mehr an sein altes Leben erinnern kann. Die Hirnschädigungen waren zu massiv. Außerdem kam noch eine posttraumatische Belastungsstörung hinzu, durch die Hogancamp den Vorfall aus dem Jahr 2000 immer wieder durchlebte. Schon lange zeigte sich Regisseur Robert Zemeckis von dem realen Stoff beeindruckt. Mit einem Budget von rund 45 Millionen US-Dollar, erhielt er im Sommer 2017 die Möglichkeit zur filmischen Realisierung. In jenem Monat begannen im kanadischen Vancouver die Dreharbeiten.

"Willkommen in Marwen" gehört schon jetzt zu den außergewöhnlichsten Hollywood-Produktionen, die wir dieses Jahr im Kino zu sehen bekommen. Die Art und Weise, wie Regisseur Zemeckis Realität und Fiktion (also die Puppenwelt) miteinander verbindet, ist große Kunst. Dass der 66-jährige Filmemacher ein Talent für die Vermengung von (filmischer) Realität und beachtlicher Trickwelten hat, bewies er schon Ende der 80er-Jahre mit "Falsches Spiel mit Roger Rabbit". Schon damals überzeugte Zemeckis mit visuellem Einfallsreichtum und tricktechnischer Finesse. Genau das zeichnet nun auch "Willkomen in Marwen" aus.

So blendet der Filmemacher etwa immer wieder sehr kunstvoll zwischen den Vorkommnissen in der (extrem detailreich ausgestalteten) Puppenwelt des belgischen Dorfes und der realen Welt über. Hinzu kommen von Marks Leben beeinflusste Ereignisse und Situationen, die die Figuren in Marwencol ebenso durchleben, wie ihr Schöpfer selbst. Nur: radikaler und brutaler. Denn in Marwencol geht es rigoros, konfus und blutig zu. Die Vorgänge in dem Dorf fungieren damit gewissermaßen als Spiegelbild von Marks aufgewühltem Seelen- und fragilem Innenleben. Der Mikrokosmos wird u.a. bevölkert von aufreizend gekleideten, bis an die Zähne bewaffneten Frauen, die Mark beschützen. Hinzu kommen kaltblütige und schonungslos vorgehende SS-Schergen, die sich mit den Frauen dynamische gefilmte Schießereien liefern.

Bei all dieser, an billige Nazi-Trash-, Exploitation- und B-Movies erinnernden Symbolik und Optik, gerät leicht in Vergessenheit, dass "Willkommen in Marwen" insgeheim vor allem ein Drama über einen schwer traumatisierten Mann ist. Ein Mann, dessen Leben unvermittelt aus den Fugen geriet und der sich lediglich für eine etwas abseitige Art der "Therapie" entschieden hat. Steve Carell verleiht seiner Figur dabei zu jeder Zeit Würde und spielt seinen neurotischen Charakter hingebungsvoll und leidenschaftlich.

Fazit: Ausgefallener, optisch beeindruckender und höchst ambitionierter Mix aus Puppen-Action, Drama und Animationsfilm.




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