VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Split
Split
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Split (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach diversen kreativen Fehlschlägen im Multi-Millionen-Dollar-Segment war M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") vor einigen Jahren eigentlich schon in der Versenkung verschwunden. Seine Mitwirkung am Mystery-Serien-Projekt "Wayward Pines" und die erfrischend unheimliche Low-Budget-Produktion "The Visit" verhalfen dem arg gebeutelten Filmemacher allerdings zu einer unverhofften Wiederauferstehung, die mit dem Psychoschocker "Split" keine ernsthaften Dämpfer bekommt. Nicht alles macht der Regisseur und Drehbuchautor dieses Mal richtig. Vertrauen kann Shyamalan aber auf seinen Hauptdarsteller James McAvoy, der die Genregrenzen überschreitende Geschichte dank eines schauspielerischen Tour-de-Force-Ritts zu einem beunruhigenden Erlebnis macht. Viele Kinogänger scheinen die Idee, einen Thriller um einen Mann mit 23 Persönlichkeiten zu stricken, attraktiv zu finden. Das zumindest lässt das Einspielergebnis am ersten Wochenende nach dem Start in Nordamerika vermuten. Mit satten 40 Millionen Dollar Umsatz konnte der verhältnismäßig gering budgetierte Film spielend leicht die Spitze der Charts erklimmen. Ein Erfolg, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war.

Ähnlich wie "The Visit" erzeugt Shyamalans neuester Streich eine eigenartige, zwischen absurder Komik und großem Unbehagen changierende Atmosphäre, die dem Geschehen eine konsequent unberechenbare Note verleiht. Beklemmend wirkt schon das ranzige und verwinkelte Keller-Labyrinth, in das der von McAvoy gespielte Psychotiker Kevin die Teenager Casey (Anya Taylor-Joy), Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) verschleppt. Ein Ort, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt, dessen sorgsam ausgestattete Räumlichkeiten aber einiges über den Bewohner und seine unterschiedlichen Identitäten verraten. Unabdingbar für den konstant anhaltenden Nervenkitzel, den "Split" schon in der Entführungssequenz entfacht, ist die präzise-facettenreiche Performance des Schotten McAvoy, der jeder auftretenden Persönlichkeit besondere Charakteristiken und Tics verleiht und manchmal binnen Sekunden von einer Figur zur nächsten springt.

Einen starken Eindruck hinterlässt auch die aus dem Horror-Meisterwerk "The Witch" bekannte Anya Taylor-Joy, deren Figur nicht dem im Thriller- und Horrorkino oft anzutreffenden Klischee des dümmlich-wehrlosen Opfers entspricht. Dass die Außenseiterin Casey große Angst hat, als sie und ihre Klassenkameradinnen überwältigt werden, ist der Jugendlichen – dem Spiel der Darstellerin sei Dank – deutlich anzumerken. Schnell wandelt sie ihre Panik allerdings in sinnstiftende Energie um und bemüht sich, ihren Peiniger zu studieren und seine seelische Verfassung für ihre Zwecke auszunutzen. Was Casey von ihren oberflächlich gezeichneten Leidensgenossinnen außerdem unterscheidet, ist die traumatische Backstory, die Shyamalan über kurze Rückblenden langsam enthüllt. Ein Schicksal, das eine Brücke zum Entführer schlägt und gegen Ende noch eine besondere Rolle spielt.

Interessante Gedanken zum Krankheitsbild der dissoziativen Identitätsstörung verhandelt der Film über den Nebenstrang rund um Kevins Psychiaterin Dr. Fletcher (Betty Buckley), die am Beispiel ihres Patienten belegen möchte, dass ein Mensch mit mehreren Persönlichkeiten ungeahntes Potenzial aktivieren kann. Die psychische Erkrankung ist dieser Logik folgend keine Behinderung, sondern eine Chance für den Betroffenen. Reizvolle Überlegungen, die jedoch einen faden Beigeschmack bekommen, wenn der Thriller im Schlussdrittel seinen Protagonisten als grotesk-dämonische Bedrohung inszeniert. Überhaupt verliert "Split" auf der Zielgeraden trotz anhaltender Spannung einiges von seiner Ausdruckskraft, da die Handlung ungebremst in krude-lächerliche Gefilde schlittert. Für eine Überraschung sorgt Shyamalan mit der letzten Szene, die Kennern seiner Filmografie unter Umständen ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird.

Fazit: Eine originelle Prämisse, eine bizarr-unheimliche Stimmung und ein famos aufspielender James McAvoy garantieren spannende Unterhaltung, auch wenn der Film gegen Ende durch haarsträubende Drehbuchentwicklungen arg trashige Züge annimmt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.