oder

Schneemann (2016)

The Snowman

Eiskalter Krimi: Jo Nesbøs Reihe um Ermittler Harry Hole kommt prominent besetzt ins Kino.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Harry Hole (Michael Fassbender), Hauptkommissar der Osloer Polizei, braucht dringend einen neuen Fall, um sich von Privatem abzulenken. Mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Rakel (Charlotte Gainsbourg) und deren Sohn Oleg (Michael Yates) steht er immer noch in Kontakt, auch wenn Rakel längst mit dem erfolgreichen Mathias (Jonas Karlsson) zusammen ist. Aufgrund seines Alkoholproblems wacht Hole morgens auch schon einmal in Eiseskälte auf einem Kinderspielplatz auf.

Da kommt die neue Kollegin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) gerade gelegen. Die hat einen alten Fall im Gepäck, der mit einigen neuerlich verschwundenen Frauen zusammenhängen könnte. Am Tatort hinterlässt der mysteriöse Mörder stets einen Schneemann. Katrine vermutet, dass der Frauenarzt Vetlesen (David Dencik) und der Industriemagnat Arve Støp (J.K. Simmons) in die Sache verstrickt sein könnten, verfolgt damit aber ihre ganz eigene Agenda.

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Henning Mankell, Hakan Nesser, Camilla Läckberg, Stieg Larsson, Arne Dahl, Helene Tursten, Jussi Adler-Olsen und wie die Erfolgsautoren aus dem hohen Norden alle heißen. Krimis aus Skandinavien boomen nicht erst seit gestern. Die meisten davon haben es im Serien- oder Fernsehfilmformat auch auf die Mattscheibe, einige bis auf die große Leinwand geschafft. Bei weltweiten Verkäufen im zweistelligen Millionenbereich war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es auch ein Kriminalroman des Norwegers Jo Nesbø ins Kino schaffen würde. Sein Thriller "Headhunter" war bereits 2012 unter Morten Tyldums Regie in Deutschland zu sehen, die Leinwandversionen seiner Kinderbücher aus der "Doktor Proktor"-Reihe 2014 und 2016.

Nun hat sich Tomas Alfredson den "Schneemann" vorgenommen, den siebten Roman aus Jo Nesbøs Reihe um Harry Hole, einen versoffenen Osloer Hauptkommissar mit Familienproblemen. Dass der schwedische Regisseur Literatur in gelungenes Spannungskino überführen kann, hat er 2011 mit der John-le-Carré-Verfilmung "Dame, König, As, Spion" bravourös nachgewiesen. Gerade die Spannung geht seinem eiskalten Krimi nun aber über weite Strecken ab. Und das ist nicht das Einzige, was angesichts der niedrigen Temperaturen nie so richtig auftaut.

Wie der Roman ist auch der Film ein whodunit, lässt also den Täter lange im Dunkeln und begleitet ein Ermittler-Duo, das Licht in die Sache bringt. Schnell schlagen beide jedoch ihre eigenen Seitenwege ein und verschleppen das Tempo. Bis zum ersten Mord, den Alfredson genretypisch in kühlen Farben vor atemberaubender Landschaft als Ausbruch roher Gewalt inszeniert, vergeht viel, vielleicht zu viel Zeit, in der nur Belangloses passiert. Die Dynamik eines zu Beginn angedeuteten Katz-und-Maus-Spiels zwischen dem Serienkiller und der Polizei wird so bereits früh auf Eis gelegt. Wer zudem im Genre einigermaßen versiert ist, hat den Mörder bereits lange vor den Beamten dingfest gemacht.

Dem kann auch das erstklassig besetzte Ensemble nichts mehr entgegensetzen. Einzig Charlotte Gainsbourg macht etwas aus ihrem Part. Der großartige Toby Jones wird hingegen in zwei nichtssagenden Szenen verheizt. Val Kilmer agiert beinahe ausdruckslos, was nicht zuletzt an einer überstandenen Krebserkrankung liegen dürfte, die ihn schwer gezeichnet hat. Und auch J.K. Simmons, Rebecca Fergusons und Michael Fassbenders Figuren sind so oberflächlich geschrieben, dass sie erstaunlich farblos bleiben. Dass Fassbenders Kommissar (trockener) Alkoholiker ist, käme einem etwa nie in den Sinn, hielte er sich nicht zweimal exemplarisch an der Flasche fest. Aus dem gebürtigen Heidelberger, der eigentlich nie schlecht spielt, so wenig herauszuholen, ist schon eine Leistung für sich.

Fazit: Trotz prominenter Besetzung vor und hinter der Kamera ist "Schneemann" ein denkbar schlechter Start für Jo Nesbøs Krimireihe auf der großen Leinwand. Tomas Alfredsons Film fehlt es an Spannung, Dynamik und mitreißenden Darstellern. Darüber können auch die brutalen Morde vor atemberaubender Landschaft nicht hinwegtäuschen.




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FBW: wertvollDie FBW-Jury hat dem Film das Prädikat wertvoll verliehen.

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Großbritannien
Jahr: 2016
Genre: Krimi
Kinostart: 19.10.2017
Regie: Tomas Alfredson
Darsteller: Michael Fassbender als Harry Hole, Rebecca Ferguson als Katrine Bratt, Val Kilmer
Verleih: Universal Pictures International

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