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Schneemann
Schneemann
© Universal Pictures International

Kritik: Schneemann (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Henning Mankell, Hakan Nesser, Camilla Läckberg, Stieg Larsson, Arne Dahl, Helene Tursten, Jussi Adler-Olsen und wie die Erfolgsautoren aus dem hohen Norden alle heißen. Krimis aus Skandinavien boomen nicht erst seit gestern. Die meisten davon haben es im Serien- oder Fernsehfilmformat auch auf die Mattscheibe, einige bis auf die große Leinwand geschafft. Bei weltweiten Verkäufen im zweistelligen Millionenbereich war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es auch ein Kriminalroman des Norwegers Jo Nesbø ins Kino schaffen würde. Sein Thriller "Headhunter" war bereits 2012 unter Morten Tyldums Regie in Deutschland zu sehen, die Leinwandversionen seiner Kinderbücher aus der "Doktor Proktor"-Reihe 2014 und 2016.

Nun hat sich Tomas Alfredson den "Schneemann" vorgenommen, den siebten Roman aus Jo Nesbøs Reihe um Harry Hole, einen versoffenen Osloer Hauptkommissar mit Familienproblemen. Dass der schwedische Regisseur Literatur in gelungenes Spannungskino überführen kann, hat er 2011 mit der John-le-Carré-Verfilmung "Dame, König, As, Spion" bravourös nachgewiesen. Gerade die Spannung geht seinem eiskalten Krimi nun aber über weite Strecken ab. Und das ist nicht das Einzige, was angesichts der niedrigen Temperaturen nie so richtig auftaut.

Wie der Roman ist auch der Film ein whodunit, lässt also den Täter lange im Dunkeln und begleitet ein Ermittler-Duo, das Licht in die Sache bringt. Schnell schlagen beide jedoch ihre eigenen Seitenwege ein und verschleppen das Tempo. Bis zum ersten Mord, den Alfredson genretypisch in kühlen Farben vor atemberaubender Landschaft als Ausbruch roher Gewalt inszeniert, vergeht viel, vielleicht zu viel Zeit, in der nur Belangloses passiert. Die Dynamik eines zu Beginn angedeuteten Katz-und-Maus-Spiels zwischen dem Serienkiller und der Polizei wird so bereits früh auf Eis gelegt. Wer zudem im Genre einigermaßen versiert ist, hat den Mörder bereits lange vor den Beamten dingfest gemacht.

Dem kann auch das erstklassig besetzte Ensemble nichts mehr entgegensetzen. Einzig Charlotte Gainsbourg macht etwas aus ihrem Part. Der großartige Toby Jones wird hingegen in zwei nichtssagenden Szenen verheizt. Val Kilmer agiert beinahe ausdruckslos, was nicht zuletzt an einer überstandenen Krebserkrankung liegen dürfte, die ihn schwer gezeichnet hat. Und auch J.K. Simmons, Rebecca Fergusons und Michael Fassbenders Figuren sind so oberflächlich geschrieben, dass sie erstaunlich farblos bleiben. Dass Fassbenders Kommissar (trockener) Alkoholiker ist, käme einem etwa nie in den Sinn, hielte er sich nicht zweimal exemplarisch an der Flasche fest. Aus dem gebürtigen Heidelberger, der eigentlich nie schlecht spielt, so wenig herauszuholen, ist schon eine Leistung für sich.

Fazit: Trotz prominenter Besetzung vor und hinter der Kamera ist "Schneemann" ein denkbar schlechter Start für Jo Nesbøs Krimireihe auf der großen Leinwand. Tomas Alfredsons Film fehlt es an Spannung, Dynamik und mitreißenden Darstellern. Darüber können auch die brutalen Morde vor atemberaubender Landschaft nicht hinwegtäuschen.





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