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Allied - Vertraute Fremde
Allied - Vertraute Fremde
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Allied - Vertraute Fremde (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zu einem späten Zeitpunkt in "Allied – Vertraute Fremde" spielt ein Klavier eine zentrale Rolle, womit der romantische Agententhriller überdeutlich und wenig subtil eine Brücke zum Hollywood-Klassiker "Casablanca" schlägt, in dem ein Piano und ein bestimmtes Lied von großer Bedeutung sind. Erinnerungen an die von Michael Curtiz inszenierte und mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman prominent besetzte Kriegserzählung werden freilich schon früher wach, da Drehbuchautor Steven Knight und Regisseur Robert Zemeckis ("The Walk") ihr Melodram teilweise in der marokkanischen Küstenstadt ansiedeln, die auch als Handlungsort für den Kinomeilenstein von 1942 dient. "Allied – Vertraute Fremde" verneigt sich vor dem großen Vorbild, erreicht dessen Klasse – wie zu vermuten war – jedoch nicht. Gleichwohl legen die Macher eine elegant ausgestattete, phasenweise recht spannende Spionage-Romanze vor, die von zwei charismatischen Hauptdarstellern getragen wird.

Am Anfang steht ein Auftrag, der den kanadischen Geheimdienstoffizier Max Vatan (Brad Pitt) nach Casablanca führt, wo er den Ehemann der französischen Widerstandskämpferin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard) geben soll. Geschützt von ihrer Maskerade, bereiten die beiden Agenten einen Anschlag auf den hiesigen deutschen Botschafter vor und kommen sich dabei tatsächlich näher. Eine Entwicklung, die Pitt und Cotillard überzeugend zu vermitteln wissen. Beeindruckend ist insbesondere die Präsenz und Wandelbarkeit der französischen Oscar-Preisträgerin, die spielend leicht unterschiedlichste Register zieht, von spöttisch über geheimnisvoll bis leidenschaftlich.

Wichtig ist dieser Umstand vor allem deshalb, weil "Allied" nach der Casablanca-Episode und der Vermählung der Protagonisten in eine andere Richtung strebt, die im offiziellen Trailer bereits mit Pauken und Trompeten angekündigt wird. Um uninformierten Zuschauern nicht den Spaß zu rauben, sei an dieser Stelle nur so viel gesagt: Das frische Glück, dem auch ein Kind entspringt, steht plötzlich auf der Kippe und wird von schrecklichen Vermutungen bedroht. Kann es in Zeiten des Krieges unter Agenten wirklich so etwas wie Liebe geben? Eine brisante Frage, die sich mehr und mehr in den Vordergrund schiebt und dazu führt, dass beiläufige, früher getätigte Aussagen mit einem Mal wie böse Vorboten erscheinen.

Knight und Zemeckis etablieren einen spannenden Gewissenskonflikt, versäumen es im letzten Drittel aber, noch stärker auf das innere Ringen einzugehen, das aus dem geschilderten Dilemma erwächst. Vorherrschend sind vielmehr kalkulierte Thriller-Momente, die etwas mechanisch verbunden werden, um letztlich einen dramatischen Showdown im strömenden Regen aus dem Boden stampfen zu können.

Für Irritationen sorgt "Allied" – zumindest war dies bei den Besuchern der Kölner Pressevorführung zu beobachten – auch durch seine künstliche Aufmachung. Schon die ersten Szenen – Vatan segelt mit einem Fallschirm langsam in Richtung Wüstenboden – wirken überhöht. Klassische Kino-Momente, die nicht auf eine möglichst realistische Darstellung abzielen. Bedeutsam sind einprägsame Bilder und große Emotionen. Gebündelt vor allem in der Passage, in der Max und Marianne zum ersten Mal miteinander schlafen: in einem Wagen mitten im Nirgendwo und eingeschlossen von einem tosenden Sandsturm. Impressionen wie diese, prächtige Kostüme, leicht kulissenhaft anmutende Schauplätze und ungeschliffene Computereffekte gehören sehr wahrscheinlich zum Konzept, mit dem Zemeckis den Glamour und die Aura alter Hollywood-Produktionen zum Leben erwecken will. Ein sicherlich gewöhnungsbedürftiger Ansatz, der dennoch seinen Reiz hat. Problematisch wird es immer dann, wenn Künstlichkeit und Kitsch allzu sehr verschmelzen. Am aufdringlichsten, als das Kind der beiden Agenten während eines Luftangriffs auf London unter freiem Himmel zur Welt kommt.

Fazit: Der große Wurf gelingt Robert Zemeckis mit seinem Kriegsmelodram "Allied – Vertraute Fremde" nicht. Solide Unterhaltung bietet der romantische Agententhriller aber schon.





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