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Kritik: Trautmann (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot") ist so etwas wie ein moderner Heimatfilmer. Seinem bayerischen Zuhause nähert sich der 1973 in Tegernsee geborene Regisseur meist mit einer gesunden Mischung aus Nostalgie und Schabernack. In seiner ersten englischsprachigen Produktion nimmt er sich der Biografie des gebürtigen Bremers Bernhard Trautmann (1923-2013) an, der im Nachkriegsengland vom angefeindeten "Kraut" zum gefeierten Helden wird. David Kross spielt ihn mit stoischer Miene und Schalk im Nacken. Um das Herz der hübschen Margaret (Freya Mavor) zu gewinnen, wagt er auf dem Fußballplatz schon mal ein Tänzchen.

Rosenmüller, der das Drehbuch gemeinsam mit Nicholas J. Schofield verfasste, steigt kurz vor Kriegsende ein. Er tut gut daran, Trautmanns Leben nicht von Anfang bis Ende zu erzählen. Dessen Kindheitserinnerungen, die ältere Drehbuchversionen noch ausführlich schilderten, sind wie seine Kriegserlebnisse auf kurze Rückblenden beschränkt. Sie sind elegant in die Handlung und mit einem privaten Schicksalsschlag verwoben und werden am Ende schlüssig aufgelöst.

Rosenmüller nutzt das größte Budget seiner bisherigen Karriere gekonnt. "Trautmann" ist wundervoll ausgestattet, toll fotografiert und mit Newcomerin Freya Mavor, John Henshaw ("Angel's Share"), Gary Lewis ("Billy Elliot) und Michael Socha ("Papillon") zwar nicht erstklassig besetzt, aber bis in die Nebenrollen hervorragend gecastet. Vor allem Henshaw passt als listiger Geschäftsmann mit knautschgesichtigem Charme wie die Faust aufs Auge und begeistert im Zusammenspiel mit Kross ebenso wie Olivia Minnis, die Margarets neugierige jüngere Schwester Barbara gibt.

Obwohl die Außenseiterstory der klassischen Dramaturgie eines Sportfilms folgt, ist "Trautmann" auch eine Liebesgeschichte, ein Kriegs- und Familiendrama, vor allem aber ein Heimatfilm. Ein Heimatfilm über stolze Briten und ihre Fähigkeit zur Versöhnung und einer über einen schuldbeladenen Deutschen, der in der Fremde durch die Liebe zu einer Frau und zum Fußball eine neue Heimat findet.

Leider hält Rosenmüller seine Mischung aus trockenem britischem Humor und Herzschmerz nicht bis zum Ende durch. Das Sportdrama im letzten Akt ist arg gerafft und – nicht zuletzt aufgrund der allenfalls durchschnittlichen computergenerierten Zuschauermassen in den Stadien – wenig überzeugend. Gegen die mal zarte, mal zärtliche Romanze der ersten beiden Akte geht es als deutlicher Verlierer vom Platz.

Fazit: Marcus H. Rosenmüllers Biopic über den legendären Torhüter Bernhard "Bert" Trautmann sieht wundervoll aus, ist hervorragend besetzt und stellenweise begeisternd gespielt, überzeugt allerdings durchweg mehr in seinen zwischenmenschlichen Momenten als in den Sportszenen.




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