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Kritik: Wunder (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Wunder" beruht auf dem gleichnamigen, höchst erfolgreichen Jugendbuch der Schriftstellerin R.J. Palacio. Der Roman, der Ende 2012 veröffentlicht wurde, stand für viele Monate auf der Bestseller-Liste der New York Times und konnte auch die Kritiker überzeugen. Inszeniert wurde der Film von Stephen Chbosky, der sich bislang in erster Linie als Drehbuchautor einen Namen gemacht hat. So wirkte er u.a. an den Stories zur Musical-Verfilmung "Rent" (2005) sowie dem Welterfolg "Die Schöne und das Biest" (2017) mit. Die Produktion von "Wunder" kostete rund 20 Millionen Dollar.

"Wunder" ist ein Film, der trotz seiner ernsten Thematik von einer positiven, heiteren Grundstimmung geprägt ist. Dabei wäre es für Regisseur Chobsky ein leichtes gewesen, den Film zu einem sentimentalen, schwermütigen Rührstück verkommen zu lassen. Die Tonalität ist aber eher im Bereich einer lebensbejahenden Wohlfühl-Produktion angesiedelt. Das ist gut so, denn Chobsky vermeidet so ein Abdriften in kitschige und allzu rührselige Gefilde.

Zu verdanken hat er dies u.a. einem exzellenten Cast und den vielschichtig gezeichneten Figuren, die trotz aller Probleme und Hindernisse ihren Lebensmut (und auch ihren Humor) nicht verloren haben. Bestes Beispiel ist Owen Wilson als stets zu Scherzen aufgelegter Vater. Wie er Auggie gerade an dessen schwerstem Tag – dem ersten Schultag – mit Lockerheit und Witz abzulenken und ihm die Nervosität zu nehmen versucht, ist herzerwärmend. Julia Roberts ist die Rolle der gutmütigen, stets auf das Wohl der Familie bedachten Über-Mutter natürlich auf den Leib geschrieben. Mit ihrem offenen Wesen und ihrer herzensguten Art hat sie die Sympathien der Zuschauer schnell auf ihrer Seite.

Ihre beste Szene hat sie in einem Moment, in dem sie sich selbst zurückzuhalten versucht, da ihre Emotionen mir ihr durchgehen. Auslöser ist die Freude darüber, dass Auggie scheinbar Anschluss gefunden hat und von einem anderen Junge so akzeptiert wird wie er ist. Apropos Auggie: dieser wird von Jacob Tremblay jederzeit realistisch und authentisch verkörpert. Dabei hat er die dickste Maske aller Darsteller und kann gegenwärtige Stimmungen und Emotionen seiner Figur lediglich über die Körpersprache und seine Augen zum Ausdruck bringen.

Wie ihm dies jedoch zu jeder Zeit wahrhaftig und einfühlsam gelingt, ist erstaunlich. Etwa in einer Szene im Wald mit anderen Kindern, die über sein außergewöhnliches Aussehen lästern. Oder wenn sich Auggie auf einem Klassenfoto still und heimlich weit weg von den anderen stellt. Die Botschaft des Films: Es ist ein langer Weg und ein harter Kampf, bis man akzeptiert und angenommen wird. Aber es lohnt, den Weg zu beschreiten. Toll ist übrigens, dass der Film auch mal die Perspektive wechselt und sich nicht immer nur auf Auggie beschränkt. So bekommt etwa auch seine Schwester genug Raum zur Entfaltung. Sie leidet darunter, dass sich in der Familie meist alles um den Bruder dreht. Hier widmet sich "Wunder" auf feinfühlige Weise den Themen "Vernachlässigung" und "geschwisterlicher Konkurrenzkampf".

Fazit: Glaubhaft gespielter, mit gelungenen Perspektivwechseln ausgestatteter Wohlfühlfilm für die ganze Familie und mit wichtiger Botschaft, der trotz der Thematik erstaunlich heiter und lebensbejahend geraten ist.





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