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Manchester by the Sea
Manchester by the Sea
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Manchester by the Sea (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nachdem er mit "You Can Count on Me" im Jahre 2000 ein mit zahlreichen Nominierungen und Auszeichnungen bedachtes Filmregiedebüt vorlegte, konnte der theatererfahrene Kenneth Lonergan Anfang 2016 mit "Manchester by the Sea" – seiner dritten Leinwandarbeit als Writer-Director – eine weitere umjubelte Premiere auf dem Sundance Film Festival feiern. Die positive Resonanz auf das Werk ist absolut berechtigt: Es gelingt Lonergan, sich überaus wahrhaftig mit Verlust und Trauer, Familie und Verantwortung zu befassen – und dabei Tragik und Komik auf eine Weise miteinander zu verbinden, die nichts von einer beschönigenden Feelgood-Dramödie hat.

In "Manchester by the Sea" geht es um die Wucht persönlicher Katastrophen; Lonergan blendet indessen nie die vielen kleinen, banalen, albernen Dinge des Alltags aus, die auch in hochgradig emotionalen, zutiefst ernsthaften Situationen stets präsent sind. Dadurch erreicht der Film eine erstaunliche, streckenweise fast unerträgliche Lebensnähe, die ihn zu einer herausfordernden Erfahrung und zu einem echten Meisterstück macht. Der leise Humor entsteht nicht durch eine aufgesetzte Skurrilität, die in (US-)Indie-Produktionen längst zum Klischee geworden ist, sondern ergibt sich aus lästigen Kommunikationsproblemen, Irrtümern und Missgeschicken, die wir alle aus unserem eigenen Dasein, kaum jedoch aus dem Kino kennen. Die Figuren reden hier aneinander vorbei, sie vergessen, wo sie das Auto geparkt haben – und müssen mit Tücken des Objekts kämpfen, die im Angesicht großer Tragödien schrecklich unangemessen erscheinen, aber schlichtweg zum Leben dazugehören. Glaubhaft ist der Film auch deshalb, weil er nicht mit simplen Kalenderweisheiten aufwartet, um anzudeuten, dass bald alles wieder besser wird. Lonergan ist sich der Tragweite der inneren sowie äußeren Konflikte seines Personals bewusst – und lässt sie uns in jeder Szene spüren.

Die schauspielerischen Leistungen in "Manchester by the Sea" sind sensationell. Casey Affleck vermittelt den lähmenden Schmerz und die Selbstverachtung des Protagonisten Lee derart eindringlich, dass wir sie auch in den witzigeren Passagen nie vergessen. Ebenfalls überzeugend sind Lucas Hedges ("The Zero Theorem") als Lees Neffe sowie Gretchen Mol als dessen abwesende Mutter. In beiden Fällen werden überzeugende Charaktere geschaffen, die nicht nur eine narrative Funktion zu erfüllen haben. Als Lees (Ex-)Frau liefert Michelle Williams – wie so oft – eine Performance, die einem den Atem raubt und schließlich das Herz bricht.

Fazit: Ein rundum ehrlich und echt wirkender Film über Verlust und Trauer. Jeder Moment, jedes Wort und jede Figur fühlt sich authentisch an; das Ensemble zeigt sich in Hochform. Großartig!





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