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Widows - Tödliche Witwen
Widows - Tödliche Witwen
© 20th Century Fox

Kritik: Widows - Tödliche Witwen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der britische Regisseur Steve McQueen ("12 Years a Slave") sah als 13-Jähriger im Fernsehen die von Lynda La Plante geschriebene Miniserie "Widows". Er war fasziniert von den Frauencharakteren, die sich in einer kriminellen Männerwelt als unterschätzte Außenseiterinnen bewegen. Für seinen Spielfilm hat er die Geschichte aus dem London der 1980er Jahre in das Chicago der Gegenwart versetzt. Veronica, Linda, Alice und Belle sind ihr Leben lang unbescholten gewesen und stehen nun als Verliererinnen da. Es wird Zeit, sich aus der Opferrolle in einer kriminellen und gnadenlosen Umgebung zu befreien.

Dass die Originalhandlung aus einem früheren Jahrzehnt stammt, merkt man dem etwas merkwürdigen Kinofilm stets an. Denn das Licht ist düster wie im Noirfilm und in Chicago lässt ein Stadtratskandidat seinen Bruder wild drauflosmorden. Man mag kaum glauben, dass so etwas nicht viel eher in die 1980er Jahre oder gar in die Ära Al Capones gehört. Die Statistiken sprechen eine andere Sprache – die Bandenkriege in Chicago kosten jährlich mehr Menschenleben als in Los Angeles und New York zusammen. Dennoch, einen afroamerikanischen Stadtratskandidaten zu sehen, der im Wettkampf gegen den weißen Platzhirschen nicht auf demokratische Tugenden setzt, wirkt rückwärtsgewandt. Und auch die Frauen, die nach dem gewaltsamen Tod ihrer Gangstergatten die Dinge für sich richten müssen, wirken zunächst erstaunlich unemanzipiert. Sie sind entweder ahnungslos oder schon immer unterdrückt.

Solche Frauencharaktere passen tatsächlich besser in die 1980er Jahre, andererseits aber geht es hier um einen Schnellkurs in Selbstermächtigung und darum, sich von den Männern nie wieder etwas vormachen zu lassen. Diese Doppelnatur der Geschichte, die mit einem Bein im Gestern und mit einem im Heute stehen will, schmälert die Spannung und lässt die Botschaft etwas plakativ wirken. Die Männer sind die Bösen, die Frauen, angeführt von der besonnenen und zugleich taffen Veronica, haben viel auf dem Kasten und das Herz am rechten Fleck. Die schwarze Veronica hat ihren weißen Mann Harry innig geliebt – ihre von Trauer geprägten Erinnerungen verleihen dem Film eine melancholische Intensität. Die gedrückte Stimmung der Witwen aber und das routiniert abgespulte Heist Movie ergeben eine recht brave Mischung.

Fazit: Der britische Regisseur Steve McQueen lässt in der kriminellen Welt Chicagos bislang unbescholtene Frauen um ihr Überleben und eine bessere Zukunft kämpfen. Nach dem Tod dreier Gangster stehen ihre Witwen mit Schulden oder Ohnmachtsgefühlen da, aber eine besitzt auch ein Notizbuch mit Plänen für einen Millionencoup. Die auf einer britischen TV-Serie basierende Handlung wurde aus dem London der 1980er Jahre in das Chicago der Gegenwart versetzt, was der Geschichte eine zwischen den Zeiten irrlichternde Doppelnatur verleiht. Als Emanzipationsgeschichte wirkt das Heist-Movie politisch korrekt, aber auch recht brav.




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