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Kritik: 25 km/h (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"25 km/h" wurde im August und September 2017 in fünf Bundesländern gedreht. Darunter unter anderen in Baden-Württemberg (Gernsbach), Nordrhein-Westfalen (Euskirchen) sowie Mecklenburg-Vorpommern (Rieps). Regie führte Markus Goller, der seit 2011 fünf Kinofilme drehte. Bei einigen von ihnen, darunter "Frau Ella" (2014) und "Alles ist Liebe" (2014), übernahm er auch den Schnitt. Filmisch setzt er sich nicht zum ersten Mal mit zerstrittenen Geschwistern auseinander. Schon in "Simpel" standen zwei ungleiche Brüder im Zentrum, die immer wieder aneinandergeraten.

Mit seiner Prämisse von den gegensätzlichen Brüdern, die in Sachen Lebenseinstellung und Charakter nicht unterschiedlicher sein könnten und sich bei ihrer Rundfahrt durch die Republik einander annähern ("Simpel‘ lässt grüßen), erfindet "25 km/h" rein storytechnisch freilich das Rad nicht neu. Und natürlich ist "25 km/h" mit seinen vielen kauzigen Nebenfiguren, den klugen Lebensweisheiten und der hohen Anzahl ebenso beliebter wie bekannter Gesichter der deutschen TV- und Kinolandschaft ein auf Massentauglichkeit getrimmter Wohlfühlfilm. Doch das ist alles halb so schlimm, wenn man wie Goller die erwähnten Klischees und Allgemeinplätze zu nutzen weiß und sie zu den Stärken des Films macht.

So passen die erwähnten, hochkarätigen Nebendarsteller allesamt perfekt zu ihren pfiffigen Rollen: Darunter Jella Haase als spiritueller Jung-Hippie, Franka Potente als spießige Ehefrau (die sich dennoch auf einen One-Night-Stand einlässt) und Wotan Wilke Möhring, der mit Pfeil und Bogen eine ausgezeichnete Figur macht. Darstellerisch überzeugen auch Mädel und Eidinger, die einander wunderbar ergänzen und das Innenleben ihrer Figuren gekonnt nach außen kehren. Gerade im ersten Drittel brechen sich angestaute Wut und unterdrückte Gefühle immer wieder Bahn. Etwa wenn sich Georg und Christian gegenseitig Vorwürfe machen und Anschuldigungen an den Kopf werfen, was der jeweils andere im Leben angeblich alles falsch gemacht habe.

Goller hat darüber hinaus nicht nur ein Händchen für Figurenzeichnung und Besetzung, er hat zudem einen abwechslungsreichen, schmissigen Soundtrack zusammengestellt, der die Gefühlswelt der Charaktere überzeugend widerspiegelt und viele Szenen entscheidend vorantreibt. Darunter Stücke der Gothic-Pop-Band The Cure, der Synthie-Popper von Camouflage und der Indie-Rock-Combo Yo La Tengo.

Fazit: Obwohl der Film extrem glattgebügelt erscheint und jederzeit spürbar ist, dass er den Massengeschmack treffen will, gelingt Markus Goller ein mit schrulligen Charakteren und exzellenten Darstellern garniertes Roadmovie über vertane Chancen, unerfüllte Lebensträume und die Suche nach sich selbst.




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