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Die Verlegerin
Die Verlegerin
© Universal Pictures International

Kritik: Die Verlegerin (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Die Verlegerin" ist bereits der fünfte gemeinsame Film von Regisseur Steven Spielberg und Hauptdarsteller Tom Hanks. Erstmals stand Hanks gemeinsam mit der mehrfachen Oscar-Preisträgerin Meryl Streep vor der Kamera. Die Dreharbeiten für das Polit-Drama fanden von Mai bis Juli 2017 u.a. in und um New York statt. Die Handlung des Films beruht auf wahren Begebenheiten. In den 70er-Jahren stritten die New York Times und die Washington Post vor Gericht gemeinsam um das Recht, die Pentagon-Papiere der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die brisanten Dokumente legten Informationen darüber offen, wie das Verteidigungsministerium zwischen 1945 und 1967 die Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg immer wieder belogen hatten. Und dass der Krieg bereits weit vor seinem Beginn geplant war.

Schon lange nicht mehr zeigte ein Film den Kampf um Presse- und Redefreiheit derart nachdrücklich und intensiv wie Spielbergs "Die Verlegerin". Das engagierte Polit- und Journalismus-Drama legt offen, wie die US-Regierung über viele Jahre schonungslos eine ganze Nation hinters Licht führte. Darüber hinaus zeigt es den aufopferungsvollen Versuch zweier starker Medienpersönlichkeiten, das Recht auf umfassende und wahrheitsgemäße Information gerichtlich zu erstreiten. Obwohl die Ereignisse und der Ausgang bekannt sind, ist der Film dennoch jederzeit packend und spannend, was auch daran liegt, da Spielberg einen erzählerischen und dramaturgischen Schwerpunkt auf eine weitere inhaltliche Komponente legt.

Denn der Regie-Altmeister erzählt nicht zuletzt von einer Frau, die sich in einer von machtgierigen Männern dominierten (Medien- und Polit-)Welt behauptete: Post-Verlegerin Katherine Graham, die zur "Eisernen Lady des US-Journalismus" wurde und später gar den Pulitzer-Preis erhielt (1998). Meryl Streep zeigt (wieder einmal) eine Oscar-reife Darbietung und verleiht ihrer Figur Kraft und Würde – und gerade im ersten Drittel auch ein hohes Maß an Unsicherheit und Verletzlichkeit. Dabei muss man wissen, dass für Graham damals tatsächlich ungemein viel auf dem Spiel stand. Nicht nur ihre eigene berufliche Zukunft. Denn zum Zeitpunkt der betreffenden Ereignisse, 1971, stand die Firma Washington Post Company kurz vor dem Börsengang. Wäre Graham vor dem höchsten US-Gericht gescheitert, hätte dies nicht nur das Ende ihrer Karriere bedeutet sondern auch die ihrer Mitstreiter und Mitarbeiter. Glaubhaft und mit beachtlicher Hingabe für ihre Rolle, stellt Streep den gewaltigen Gewissens- und Glaubenskonflikt ihrer Figur dar.

Denn auf Graham wird nicht nur politischer sondern eben auch gewaltiger ökonomischer Druck ausgeübt. Und ganz nebenbei geht es nicht zuletzt noch um das berechtigte Interesse der US-Bevölkerung, die volle Wahrheit über die jahrelang verschleierten wahren Hintergründe der Pläne einer Invasion in Vietnam zu erfahren. Das alles bringt Spielberg auf fesselnde Weise zusammen. Und ganz am Schluss liefert er einen meisterhaften Übergang zum nächsten großen Polit-Skandal, der die Nation noch tiefer spalten und in die Krise führen wird.

Fazit: Meisterhaft gespielter, dringlich und höchst spannend inszenierter Mix aus couragiertem Journalismus-Drama und beachtenswerter Emanzipations-Story über eine wagemutige Medienpersönlichkeit.




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