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Halloween
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© United International Pictures

Kritik: Halloween (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

David Gordon Greens "Halloween" ist eine Fortsetzung von John Carpenters Slasher-Film "Halloween – Die Nacht des Grauens" (1978). Zwar bietet das aktuelle Werk diverse visuelle Verweise auf die Folgefilme der langlebigen Reihe (zum Beispiel auf "Halloween II – Das Grauen kehrt zurück" aus dem Jahre 1981); auf erzählerischer Ebene wird jedoch direkt und ausschließlich an Teil 1 angeschlossen. So handelt es sich bei dem maskierten Killer Michael Myers nicht um den Bruder der Protagonistin Laurie Strode (weil es zu dieser Enthüllung erst in "Halloween II" kam) und Laurie kam auch nicht ums Leben, wie es in der Eröffnungssequenz von "Halloween: Resurrection" (2002) geschah. Diese Entscheidung der Drehbuchautoren Green, Danny McBride und Jeff Fradley erweist sich als durchaus klug – da die Konfrontation zwischen der extrem traumatisierten Laurie und dem unbegreiflich-bösen Michael nach 40 Jahren der spannungsvolle Kern der 2018-Version von "Halloween" ist.

In vieler Hinsicht ist das Werk eine Hommage an Carpenters Genreklassiker: Der Vorspann wartet zu den vertrauten (leicht modernisierten) Carpenter-Klängen mit einem schönen Retro-Design auf – und auch die ausgeklügelte Kameraarbeit von Michael Simmonds steht ganz in der Tradition des Originals. Dessen atmosphärische Dichte bleibt dennoch unerreicht. Es gelingt Green, einige bekannte Versatzstücke clever umzugestalten – der drastisch erhöhte Body Count, die Action-Einlagen sowie die dramaturgischen Unebenheiten und der oft deplatziert wirkende Humor machen aus "Halloween" streckenweise aber eher einen austauschbaren Beitrag zum Horror-Genre.

Seine Stärke findet der Film fraglos in der wuchtigen Performance von Jamie Lee Curtis, welche die seelischen Narben, die "Die Nacht des Grauens" bei Laurie hinterlassen hat, schmerzhaft erkennen lässt. Es wird klar, dass Laurie sich auf einen erneuten Angriff des Boogeymans gründlich vorbereitet hat – und dass sie etwas zum Abschluss bringen muss, um die Kontrolle über ihr Leben endlich zurückzugewinnen. Reizvoll ist dabei auch die Interaktion zwischen Laurie und ihrer erwachsenen Tochter Karen sowie ihrer adoleszenten Enkelin Allyson. In diesem Finale hat das Final Girl von einst familiäre Unterstützung und weiß sich noch deutlich effektiver zu wehren als in den 1970er Jahren. In diesen Passagen wird auf interessante Weise mit Täter-Opfer-Rollen gespielt.

Fazit: Die Rückkehr der Horror-Ikone Michael Myers lebt vom Duell mit der Heldin Laurie Strode, die von Jamie Lee Curtis mit vollem Einsatz verkörpert wird. Der Film hat Schwächen, ist aber stilbewusst in Szene gesetzt.




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