VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: 100 Dinge (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Nackter flitzt mitten im Winter durch den Schnee zu einem Lagerhaus. Wer Petri Luukainens "My Stuff" (2013) gesehen hat, dem kommt diese Szene aus "100 Dinge" bekannt vor. Kein Wunder, diente der dokumentarische Selbstversuch des Finnen, der es 2015 auch in die deutschen Kinos schaffte, Regisseur und Hauptdarsteller Florian David Fitz doch als Inspirationsquelle seiner jüngsten Komödie. Während Luukainen sein Projekt seinerzeit ein ganzes Jahr lang durchzog, üben sich der von Fitz gespielte Paul und sein bester Kumpel und Geschäftspartner Toni (Matthias Schweighöfer) lediglich 100 Tage im Verzicht.

Nach "Jesus liebt mich" (2012) und "Der geilste Tag" (2016) sitzt Allroundtalent Fitz, der auch das Drehbuch schrieb, zum dritten Mal auf dem Regiestuhl. Sein Message ist abermals leicht verständlich und verdaulich. Mit seiner romantisch angehauchten Buddy-Komödie, denn Toni lernt alsbald die mysteriöse Lucy (Miriam Stein) kennen und lieben, stellt er gewitzt unser (blindes) Konsumverhalten infrage. Dabei streift das Skript auch andere Bereiche, die sich aus der Auseinandersetzung mit einem kapitalistischen Wirtschaftssystem zwangsläufig ergeben: der Wert und die Sicherheit persönlicher Daten, Liebe im Digitalzeitalter, Selbst- und Fremdbilder in einer auf Oberflächenreize angelegten Gesellschaft, durch den Krieg und die deutsche Wiedervereinigung unter- und gebrochene Lebensläufe und nicht zuletzt das merkwürdige Wettbewerbsdenken geschlechtsreifer Männer in der Postpostpubertät.

Dass all das irgendwie miteinander zu tun hat, ist ebenfalls klar, aber ziemlich viel, letztlich zu viel für diesen Film. Denn anstatt tiefer zu dringen, bricht Fitz seine Geschichte allenthalben auf die Männerfreundschaft zwischen Paul und Toni, auf deren Konkurrenz seit Kindertagen herunter. Deren infantile Streitereien sind allemal unterhaltsam. Auf dem Weg zum Glück zeigt die Handlung allerdings einige unnötige Längen. Hier hätte der 1974 geborene Münchner gern etwas konsequenter auf das Ende zusteuern dürfen. Sein Talent für eine ansehnliche Inszenierung, sein Auge für optisch anregende Sets und sein Gespür für flotte Dialoge sind ihm indes nicht abzusprechen.

"100 Dinge" sieht exzellent aus – nicht nur, weil Fitz und Schweighöfer einen Großteil mit wenig am Leib spielen –; viel besser als viele deutsche Produktionen. Diese runde Mischung ist aber auch ein Schwachpunkt. Schließlich ist "100 Dinge" eben jenes etwas zu glatt gebügelte Produkt, das der Film kritisieren will. Mit seinem gefälligen Schauspiel und einer Handlung, die zwar kritische Fragen aufwirft, aber dennoch nie aneckt, bleibt diese durchaus amüsante Komödie schnelle, leicht konsumierbare Kost für zwischendurch.

Fazit: Mit "100 Dinge" legt Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Florian David Fitz eine gefällige, durchaus vergnügliche Komödie über eine Männerfreundschaft vor. Deren Konsumkritik regt zwar stellenweise zum Nachdenken an, greift aber viel zu kurz, weil Fitz aufs breite Publikum zielt und nicht anecken will.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.