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Ich war noch niemals in New York
Ich war noch niemals in New York
© Universal Pictures International

Kritik: Ich war noch niemals in New York (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auf dem Kreuzfahrtschiff MS Maximiliane sind die Passagiere schon vor Reisebeginn bestens gelaunt. Der Kapitän (Stefan Kurt) stimmt sie singend auf die Reise nach New York ein, zur Melodie des Udo-Jürgens-Hits "Aber bitte mit Sahne". Natürlich gibt es dann auch ein üppiges Kuchenbüffet. Als blinder Passagier mit Gedächtnisverlust gehört die Rentnerin Maria nicht der sozialen Schicht der anderen Gäste an. Doch in einem weiteren Schlager von Udo Jürgens heißt es ja, "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an". Unter der Regie von Philipp Stölzl ("Der Medicus") bekommt das Kinopublikum eine Schiffsreise zu sehen, die dem Strom bonbonfarbener Wunschfantasien und Klischees folgt.

Maria, ihre Tochter Lisa und der Maskenbildner Fred werden zur Arbeit an Bord verpflichtet, weil sie ja keine Tickets besitzen. Sie schlafen in der Mannschaftskabine, wo Matrosen zu Costas Lied "Griechischer Wein" den Feierabend genießen. Gleichgültig, an welchem Deck sich die Handlung gerade abspielt, entwickelt sie ein flottes Tempo. Selbst die nicht gesungenen Handlungsabschnitte passen sich der hochtourigen Stimmung an, die die Anker zur Realität gelichtet hat.

Die Rollen werden nicht besonders glaubwürdig gespielt, weil sie in der entrückten Atmosphäre sowieso als Nummern angelegt sind. Katharina Thalbach spielt das einfache Mauerblümchen, das sich plötzlich nach der Sonne streckt, sympathisch und Heike Makatsch steuert Biss und Schwung bei. Pluspunkte sammeln jedoch vor allem Nebendarsteller wie Michael Ostrowski als der homosexuelle Fred oder der junge Marlon Schramm als Axels aufgeweckter Sohn Florian.

Für Stimmung sorgen nicht zuletzt auch die Komparsen. Man muss nur sehen, wie fröhlich die älteren Damen die beiden Gigolos oder Eintänzer Otto und James (Mat Schuh) umschwirren, um von der Flirtlaune angesteckt zu werden, die leicht frivol und dennoch so unschuldig wie ein Tanzteevergnügen erscheint. Weniger zwingend wirken die spontanen Klatsch-, Jubel- und Tanzszenen, zu denen sich Unbeteiligte hinreißen lassen, sobald irgendwo zwei Herzen höherschlagen.

Uwe Ochsenknecht trägt ein unwahrscheinlich rosafarbenes Sakko, und auch die sonstigen Kostüme scheinen in frisch-frechen Zuckerbäckerfarben förmlich zu glühen. Wenn das Schiff an der Freiheitsstatue und der New Yorker Skyline vorbeifährt, stehen die Passagiere mit ihren Sektgläsern an der Reling. Wen kümmert es noch, was an diesem New York echt ist? Hauptsache, die Schlagerträume, die Udo Jürgens so unvergesslich angestimmt hat, leben auch an Land weiter.

Fazit: Unter der Regie von Philipp Stölzl entfaltet der Musicalfilm über eine Schiffsreise, auf der Menschen verschiedener Generationen und Schichten der Liebe begegnen, seine bonbonfarbene Pracht. In beschwingter Feierlaune pfeifen die Charaktere darauf, wie wenig sie zusammenpassen, und geben sich ihren Träumen vom Glück, von Liebe und Erfüllung hin. Die von Udo Jürgens geschriebenen Schlager kommen jedenfalls in der fröhlich naiven, aufgeputschten Stimmung gut zur Geltung.




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